Bücherschau

Krainer, Isabella - Vom Kaputtgehen

Gedichte
Isabella Krainer legt in ihrem Lyrikband ein erstaunliches Debüt vor: in einer Art poetischen Biografie spaziert sprachgewandt und spielerisch durch ihr eigenes Leben. Das lyrische Ich darf auch lächeln, sticheln und sarkastische Gewürze zwischen die Zeilen streuen. 
In vier Kapiteln erhält man nach der „gehschule“ den „marschbefehl“, um gleich darauf den “laufpass“ abzukriegen, der in einem „endspurt“ endet.So zieren biografische Markierungen den  frühen Lebensweg, wie das Stammbuch und die erste Liebe: „bevor sie sich / in die wüste / schicken // spielen sie // fata / morgana / kind“, oder die oft zitierte Schule des Lebens: „in der schule / war ich gut / nur in biografie / hab ich nicht / aufgepasst“. 
Isabella Krainer bewegt sich nicht tänzelnd, sondern mit beiden Füßen fest auf den Boden stehend, wandert entlang der Hochsprache mit gelegentlichen gelungenen Ausflügen in die Mundart. Aber immer sicher und bewusst mit der Sprache spielend und vor allem sie beherrschend, ohne dabei aufdringlich zu werden. Von Geburt über Familie und Schule hinein ins Leben mit vielen Details, die dieses Leben eben bietet, spannt sich der inhaltliche poetische Bogen. 
So kommen auch „akademische erkenntnisse“ wohlweislich zutage: „noch mehr / dosenravioli // aber der blick / auf die welt // ist ein / anderer“ oder jene kuckuckshafte Erkenntnis: „…doch // dürft ich zaun / sollt ich könig / wär ich majestät“. Aus dem letzten Kapitel eine passende „lebenswahrheit“ zum Schluss: „freunde / die menschen / unter den / leuten.“ Wie wahr, und nicht die letzte Entdeckung in diesem erstaunlichen Lyrikdebüt. Man kann immer wieder hineinlesen und wird fündig werden! 
Rudolf Kraus
 
Krainer, Isabella - Vom Kaputtgehen
Gedichte. Innsbruck: Limbus 2020. 91 S. - kt. : . € 15,00 (DL)
ISBN 978-3-99039-170-9

 

 

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