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Bücherschau

Hurston, Zora Neale - Barracoon

Die Geschichte des letzten amerikanischen Sklaven
Die Veröffentlichung dieses Buches war in den USA der literarische Überraschungserfolg des letzten Jahres. Fast 60 Jahre nach dem Tod der legendären afroamerikanischen Autorin Zora Neale Hurston (1891-1960) erschien dieses zentrale Dokument der Aufarbeitung des Sklavenhandels. Das 1931 entstandene Buch behandelt das Thema Sklaverei auf differenzierte Weise. Es erzählt die wahre Geschichte des letzten Schiffes, das 1860 im Rahmen des Sklavenhandels Nordamerika erreichte, und zeichnet dabei das Porträt von Oluale Kossola, einem um 1840 im heutigen Benin geborenen Mann, der als letzter bekannter Überlebender dieses Transports gilt. 
Zora Neale Hurston, die auch als Anthropologin tätig war, befragte 1927 den damals 86-Jährigen über sein Leben: Kossola erzählt von seiner Jugend in Afrika, von Riten und Bräuchen, es ist auch eine Coming-of-Age-Geschichte, wie man sie noch nicht gelesen hat. Als einziger Überlebender seiner Familie wird er 1860 in eine der titelgebenden Barracoons gebracht, küstennahe Barracken, in denen Sklaven bis zu ihrer Verschleppung eingesperrt wurden. Mit dem Verkauf an amerikanische Sklavenhändler beginnt sein Leben unter weißer Gewaltherrschaft. Im Auftrag des Geschäftsmanns Timothy Meaher aus Alabama entführt der Kapitän John Foster Kossola und 110 weitere Gefangene auf dem berüchtigten Schiff Clotilda in die USA – 50 Jahre, nachdem der „Act Prohibiting Importation of Slaves“ die Deportation neuer Sklaven in die USA verboten hatte. 1865 endet der amerikanische Bürgerkrieg und damit offiziell auch die Sklaverei; 70 Jahre dauert das reale und erzählte Leben Kossolas danach noch an. Es ist voller Schmerz über den teils gewalttätigen Tod seiner Kinder, Ausgrenzung und Armut. 
Er schildert ausführlich, wie die ehemaligen Sklaven und Sklavinnen sich ihren Platz und ihre Handlungsmacht in den USA erringen: Die postsklavische Gemeinschaft bildet eine quasi-autonome Gesellschaft, verhandelt ihre eigene Zugehörigkeit und Identität, ihr Verständnis von Recht, Eigentum, Familie und Religion zwischen amerikanischer Prägung und afrikanischem Erbe. Eindrücklich erzählt er von seiner Suche nach den eigenen Wurzeln und einer Identität in den rassistisch geprägten USA. „Barracoon“ ist ein einmaliger Zeitzeugenbericht des letzten Überlebenden des Sklavenhandels, dessen mündliche Erzählung hier von einer großen Autorin wiedergegeben wird.  
Brigitte Winter
 
Hurston, Zora Neale - Barracoon
Die Geschichte des letzten amerikanischen Sklaven. Penguin 2020. 220 S. - fest geb. : € 20,60 (BI)
ISBN 978-3-328-60130-2

 

 

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