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Bücherschau

Kotanko, Christoph - Kult-Kanzler Kreisky

Mensch und Mythos
Zum 30. Todestag Bruno Kreiskys (er starb am 29. Juli 1990) legt der langjährige Chefredakteur des „Kurier“ Christoph Kotanko eine Kurzbiografie vor, die sich nicht an ein Fachpublikum wendet sondern an eine historisch interessierte Leserschicht, die den charismatischen Vollblutpolitiker nur noch dem Namen nach kennt. 
Bruno Kreisky entstammte einer großbürgerlichen jüdischen Familie. Sein Herz schlug schon als Jugendlicher für die Sozialdemokratie. Nach Jahren der Verfolgung im autoritären Ständestaat und der Emigration in Schweden machte er nach seiner Rückkehr in die Heimat eine bemerkenswert steile politische Karriere. Zum Vorsitzenden der SPÖ gewählt, gewann er 1970 die Nationalratswahl und bildete mit Unterstützung der FPÖ eine Minderheitsregierung. In den Folgejahren 1970, 1975 und 1979 regierte Kreisky mit absoluter Mehrheit, 1983 trat er vom Amt des Bundeskanzlers zurück. Somit ist er bis heute der längstdienende Regierungschef der Zweiten Österreichischen Republik. 
Die Ära Kreisky war eine Zeit großer, umfassender Reformen, die Österreich grundlegend veränderten. Kreiskys Reformpolitik umfasste die verschiedensten Lebens- und Gesellschaftsbereiche. Man kann das große Reformwerk hier nur vage andeuten: das Gratisschulbuch und die Schülerfreifahrt wurden eingeführt, die Frau im Eherecht dem Mann gleichgestellt, der Grundwehrdienst verkürzt, die Volksanwaltschaft eingerichtet, das Strafrecht modernisiert. Oberstes Ziel der Wirtschaftspolitik war die Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung. Die Außenpolitik, die dem hochintelligenten, umfassend gebildeten, weltoffenen Kanzler besonders am Herzen lag, erhielt ein selbständiges Ressort. Bruno Kreisky vermittelte im Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern, verbesserte die Beziehungen zu den ehemaligen Ostblockstaaten und verschaffte Österreich internationale Beachtung und Anerkennung. 
Der „Medienkanzler“ hatte in den dreizehn Jahren seiner Regierungszeit nicht nur Erfolge zu verzeichnen, er musste auch Niederlagen einstecken. So blieb er beispielsweise bei der Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf in der Minderheit. Kreisky trug auch zahlreiche persönliche Fehden aus, unter denen die Auseinandersetzung mit seinem Vizekanzler Hannes Androsch und dem „Nazijäger“ Simon Wiesenthal die bemerkenswertesten waren. Er schreckte dabei vor beleidigenden Attacken und unfairen Behauptungen nicht zurück. In seinen letzten Lebensjahren war er schwerkrank und musste sich wöchentlich dreimal in einem Krankhaus einer Blutreinigung (Dialyse) unterziehen. 
Der Autor hat die Kreisky-Ära knapp, objektiv und sachkundig dargestellt und seinen Ausführungen einige Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern des Kanzlers eingearbeitet. Den eigentlichen biografischen Text leitet er mit einer Skizze über Kreisky-Vorgänger Josef Klaus ein, die in dieser Ausführlichkeit nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Das Vorwort stammt von Heinz Fischer. 
Friedrich Weissensteiner
 
Kotanko, Christoph - Kult-Kanzler Kreisky
Mensch und Mythos. Wien: Ueberreuter 2020. 196 S. - fest geb. : € 22,95 (GE)
ISBN 978-3-8000-7746-5

 

 

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