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Bücherschau

Kupf, Waltraut - Die Welt ist voller Morden

Zeitgeschichtliche Splitter
Waltraut Kupf wurde 1933 in Wien geboren und lebt auch – wieder – hier. Lange hat sie mit sich gerungen, ob es ihre Kindheitserinnerungen „wert“ seien, aufgeschrieben und auch veröffentlicht zu werden. Aber es ist gut und richtig, dass sie ihre Jugenderinnerungen in ihrem ganz persönlichen Stil für die Nachwelt erhalten hat. Es ist eine „Geschichte von unten“, die es den nachgeborenen Generationen ermöglichen wird, ein wenig die Menschen und ihre Schicksale hinter den historischen Daten nachzuvollziehen. 
Die Aufzeichnungen ihrer Jugend sind aber nicht nur die Geschichte einer jungen Zeitzeugin, sondern auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werden einer Persönlichkeit. Wie vielen unserer Vorfahren wurde auch ihr Leben in den ersten zwei Jahrzehnten durch die den Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg aus der Bahn geworfen. Als Kind einer gutbürgerlichen Familie musste sie die Neuordnung der Gesellschaft und deren Zerfall am eigenen Leib dramatisch erfahren. Waltraut Kupf hat nun versucht, das subjektive Erleben der Umstände ihrer Kindheit mit dem heutigen Wissen über diese Zeit und den jetzt erklärbaren Zusammenhängen darzustellen. Sie geht dabei in berührende Details und hält den Alltag akribisch fest. Sie lässt so vor unseren Augen die alltäglichen Lebensumstände entstehen, als eine fantastische Zeitzeugin. 
Mit ihrem trockenen Humor schafft sie es auch, schonungslos die Menschen ihrer Familie, aber auch ihrer Umgebung zu beschreiben. Man kann sich die Figuren so lebhaft vorstellen. Sehr schade ist, dass es keine Familienbilder dazu gibt. Beim Lesen würde man zu gerne wissen, ob das innere Bild, das man sich beim Lesen gemacht hat, der Person auch optisch entspricht. Immer wieder wird einem in ihrem Bericht bewusst, dass besonders die Kinder in dieser furchtbaren Zeit, ohne es zu wissen, gezielt politisch missbraucht wurden. Vieles, von dem wir heute mit Entsetzen lesen, war die „Normalität“ und konnte von den Menschen, die damals noch Kinder waren, nicht hinterfragt werden. Bemerkenswert sind auch die letzten Kapitel des Familienromans. Das Nachkriegs-Wien wird von dem heranwachsenden Mädchen scharfzüngig und mit einem klaren und entlarvenden Blick kommentiert und ist auch für die jungen – besonders in Wien lebenden – Leser interessant. 
Waltraut Kupf hat mit ihrem „zeitgeschichtlichen Splitter“ dazu beigetragen, dass diese historische Zeit nicht nur trocken in den Geschichtsbüchern zu lesen ist. Die Vergangenheit in den bitteren Jahren rund um den Zweiten Weltkrieg wird durch die Erzählung der jungen Waltraut in der Nachschau ein überaus persönliches, lebendiges und tragisch-komisches Bild. Und es berührt einem beim Lesen manchmal mehr als man zugeben möchte. 
Renate Oppolzer
 
Kupf, Waltraut - Die Welt ist voller Morden
Zeitgeschichtliche Splitter. Romeon. 435 S. - kt. : € 15,40 (BB)
ISBN 978-3-96229-133-4

 

 

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