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Bücherschau

Smith, Ali - Herbst

Voller Witz, Melancholie und grandioser Stimmungsbilde
Voller Witz, Melancholie und grandioser Stimmungsbilder erzählt die in Schottland geborene und derzeit in Cambridge lebende Autorin von der künstlerisch begabten Elisabeth, die sich liebevoll um ihren Nachbarn Daniel Gluck kümmert, der fast hundert Jahre ist. Er hat sie im Kindesalter mit der Kunst bekannt gemacht. Auch hat er in ihr die Freude an der Literatur geweckt. Nun arbeitet sie als Aushilfsdozentin an einer Universität in London. Ihr Antrag auf einen neuen Reisepass scheitert an der Größe des Passfotos. 
Die Zeit, um den alten Mann zu besuchen, findet sie fast täglich. Im hohen Alter verbringt er seine letzten Jahre in einem Pflegeheim, wo Elisabeth an seinem Bett sitzt und ihm in wachen Momenten aus Charles Dickens oder Aldous Huxleys „Schöner neuen Welt“ vorliest. Gemeinsam fragen sie sich, was die Zukunft bringen wird, nachdem es in England immer wieder politische Spannungen gibt. So meditieren sie über eine Welt, die immer extremer wird, über die Zukunft, das Altern und die Liebe. Der Leser verfolgt die Gedankengänge mit Staunen, ebenso wandelt sich die Sichtweise mit den Jahreszeiten. So strahlt das Stoppelfeld, das im Frühling in einem kühlen Grün leuchtet, Ende des Sommers dieselbe beruhigende Wärme aus, wie manches Gemälde in der National Gallery. 
Der stimmungsvolle Roman von Ali Smith zeigt den Wandel Englands in einem Wechselspiel aus Intoleranz und Misstrauen und der Sehnsucht nach der Weite der ebenen Landschaft, die beruhigend auf die Psyche des Menschen wirkt. Die „Financal Times“ bezeichnet den Roman als den ersten ernsthaften Brexit-Roman. Der Wechsel der Jahreszeiten gipfelt in der extremen Schönheit des Herbstes. So ist der Roman in seiner Stille und Beschaulichkeit ein starker Kontrast zu den üblichen Neuerscheinungen und kann nur mit Prädikaten „Genial“ oder „Grandios“ bewertet werden. Ein beschauliches Buch, das dennoch ein besonderes Lesevergnügen bietet. 
Peter Lauda 
 
Smith, Ali - Herbst
Roman. München: Luchterhand 2019. 263 S. - fest geb. : € 22,70 (DR)
ISBN 978-3-630-87578-1
Aus dem Engl. von Silvia Morawetz

 

 

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