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Bücherschau

Hubinger, Sandra - wir gehen

Gedichte
Sandra Hubinger wendet sich in ihrem zweiten Gedichtband „wir gehen“ überwiegend dem Naturgedicht zu. Diese Form der Lyrik hat quasi einen schlechten Ruf, weil in der Regel romantisierende, schwärmende Metaphern und Verse verwendet wurden. Sandra Hubinger hingegen setzt sich spielerisch und akribisch zugleich mit dieser Form auseinander, beschreibt präzise und arbeitet aber auch mit Verbauslassungen, die mich spontan an römisch-lateinische Dichtung haben denken lassen. 
Aber es ist nicht nur die Natur, der Hubinger Platz bietet, auch das Aufwachsen, das Vergehen und vieles mehr werden von der Autorin thematisiert und mit einer „Wir“-Stimme unterlegt. So ergeben sich spannende, überraschende lyrische Bilder, die eine außerordentliche Heftigkeit entwickeln können: „Durch Türrahmen schlüpfend von einer / Lichtung zur nächsten Rodung eine / molekulare Schneise ziehend allein mit / unserem Körperwiderstand durch // Zimmerfluchten jedes Einzelne leer / flüchtige Blicke in die Ecken Suche / nach Vergessenem nach Übersehenem / doch der gesamte Stock war ausgeweidet // Sichtbar noch die Spuren des Skalpells / Kratzer Risse Löcher vom Plafond / blätterte ein Hämatom da Lichter entfernt“ (S. 76). 
Mit ihrer dichten, sinnlichen Sprache spricht sie „sämtliche Sinne an und getraut sich zu interpretieren“. So ein Auszug aus der Jurybegründung für das Salzburger H. C. Artmann-Stipendium 2018, das schon eine erstaunliche Empfehlung darstellt. Dieser Empfehlung wird die Autorin im vorliegenden Gedichtband auch absolut gerecht.
Rudolf Kraus
 
Hubinger, Sandra - wir gehen
Gedichte. Hg. von Helwig Brunner. Graz: edition keiper 2019. 88 S. - kt. : € 15,40 (DL)
ISBN 978-3-903144-87-3
 

 

 

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