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Bücherschau

Deaver, Jeffery - Der Todbringer

Ein Lincoln-Rhyme-Thriller
Punkt Eins: der Originaltitel „The Cutting Edge” (im Buch selbst übrigens falsch geschrieben: „The Catting Edge”, was irgendwie auch wieder passend wäre, auf jeden Fall besser als der deutsche Titel!) ist vieldeutig und viel besser. Auf des Messers Schneide steht so vieles in dem Krimi und um Messer geht es auch - um Spaltmesser, Schleifmesser, Teppichmesser usw.
Ich beginne mit dem einen Handlungsstrang, der noch irgendwie logisch scheint. In New York finden sich noch ein paar Diamantenschleifer, darunter der berühmteste und beste von ihnen, Mr. Patel. Sie verarbeiten die angelieferten Rohdiamanten unterschiedlichster Reinheit zu Schmucksteinen. Mr. Patel kann diese Arbeit nicht allein bewältigen, daher beschäftigt er junge (meist indische) Burschen als „Lehrlinge”. 
Einer von ihnen, Vimal, ist nicht nur jung und sehr talentiert, sondern auch zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort. Er sollte auf seinem Arbeitsplatz eintreffen, findet dort aber nur einen offenbar leblosen Mr. Patel und den mit einer Skimaske getarnten Mörder mit einem Messer in der einen Hand. In der anderen Hand hat er eine Pistole, die er auch sofort benützt, um Vimal als Tatzeugen zu eliminieren. Der junge Mann wird zwar angeschossen, doch sein Säckchen mit den Rohdiamanten rettet ihm das Leben und er kann fliehen. Kurze Zeit darauf wird unweit dieses Tatortes ein ermordetes Paar gefunden. Die beiden wollten heiraten, haben sich die entsprechenden Ringe ausgesucht und sind nun tot. 
Als dann noch eine junge Frau mit einem Diamantring überfallen wird, muss sich die Polizei eingestehen, dass sie ohne Hilfe von Amelia Sachs und Lincoln Rhyme den Täter wohl nicht fassen wird. Außerdem gilt es ja, den jungen Vimal zu finden (der ist wie vom Erdboden verschwunden), um ihn zu schützen und auch zu befragen. Im Zuge der Ermittlungen und Nachfragen in Südafrika und England bekommen Rhyme und Sachs Hilfe in Form eines ehemaligen Scotland-Yard-Mannes. Und der wird ihnen richtig helfen! 
So weit, so gut. Alles kriminormal. Doch dann konstruiert Deaver eine Übergeschichte, die so unglaublich wie an den Haaren herbeigezogen ist, dass sie sogar von den Produzenten der James-Bond-Filme als zu flach abgelehnt werden würde. Ich konnte nicht umhin, ein gutes Drittel des Buches andauernd „Geh bitte” zu murmeln und manchmal ob des Unsinns sogar zu lachen. 
Und: mein Problem ist und bleibt, dass die beiden Hauptfiguren Amelia Sachs und Lincoln Rhyme einfach unsympathisch, unglaubwürdig, ursuper und urgscheit sind. Deaver schafft es einfach nicht, den beiden eine Andeutung von Sympathie und Menschlichkeit zu geben. Die sind mir zu super! Alles in allem: ja, geht, spannend, ja, abstrus auf jeden Fall. 
Mario Reinthaler
 
Deaver, Jeffery - Der Todbringer
Ein Lincoln-Rhyme-Thriller. München: Blanvalet 2019. 571 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-7645-0714-5
 

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