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Bücherschau

Bonafoux, Pascal - Rembrandt Selbstbildnisse

Nirgends wird man Rembrandt näher kommen

„Dieser Rembrandt, der schon in Leiden wie auch in seinen ersten zehn Jahren in Amsterdam ehrgeizig, eitel und feierlich war, wird schnell allein sein. Allein … mit der Malerei. Nur mit dem Modell, das er für sich selbst ist, kann er sie nicht verraten. Die ihm angeborene Arroganz wird zur Disziplin. Der Ähnlichkeit und der Respektabilität, die seine Kundschaft von ihm verlangt, kann er nichts mehr abgewinnen. Er will niemandem mehr Rechenschaft schuldig sein außer der Malerei. Er will kompromisslos sein, ohne Konzessionen, grausam vielleicht.“ Der französische Kunstwissenschaftler und Rembrandt-Spezialist nähert sich in diesem wunderschönen Buch dem einzigartigen Phänomen Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669), dem berühmtesten Maler der Niederlande im 17. Jahrhundert.
Kein anderer Künstler ist so bekannt für die Darstellung der eigenen Person wie der in Leiden geborene und in Amsterdam zu Ruhm gelangte Sohn eines Müllers, der in seinen 63 Lebensjahren einen grandiosen Aufstieg, aber auch den finanziellen Ruin im Alter erlebt hat. Doch wie schwierig auch seine Lebenslage wurde, er hörte nie auf, sich selbst zu malen. Über 80 Selbstbildnisse gelten heute als gesichert. Anfangs als Physiognomie- und Kostümstudien gedacht, entwickelten sich seine Selbstdarstellungen schnell zu einem gefragten Motiv in Sammlerkreisen und wurden hochgeschätzt als Belege seiner außergewöhnlichen künstlerischen Begabung. Ob jugendlich oder altersweise, ob im Hintergrund großer Historiengemälde oder als kleine Studie, ob Malerei, Radierung oder Zeichnung, sein Porträt zieht sich in seinem Werk durch alle Zeiten, Formate und Techniken.
Das Buch zeigt in 111 Abbildungen alle Selbstbildnisse Rembrandts, begleitet und kundig beschrieben von den Erkenntnissen und Gedanken eines wahren Kenners. Und es ersetzt vielleicht eine umfangreiche Biografie, denn nirgends wird man Rembrandt näher kommen als hier, denn „sich selbst zu malen heißt, frei und deshalb unerbittlich sein zu können, einen Schatten zu verfolgen, der eine Runzel gräbt, die merkwürdige Asymmetrie der Augenbrauen, Furchen, die sich von der Nase bis zu den Mundwinkeln hinabziehen, dem Strich und den Farbauftrag so zu gestalten, dass sie mehr sind als eine bloße Feststellung, die Schattentiefe eines Lichts zu suchen, Ebenen, Stellen und Farbflächen eines Kopfs in andere Beziehungen zueinander zu setzen. Die eigene Person zu malen heißt, sich selbst zu erproben. Allein mit der Malerei.“
Simon Berger

Bonafoux, Pascal - Rembrandt Selbstbildnisse
München: Schirmer/Mosel 2019. 160 S. : zahlr. Ill. (farb.) - fest geb. : € 30,70
ISBN 978-3-8296-0869-5


 

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