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Bücherschau

Schwab, Andrea - Außergewöhnliche Komponistinnen

Weibliches Komponieren im 18. und 19. Jahrhundert

Dieses kleine, feine Büchlein mag im ersten Moment nur für einen kleinen Leserkreis bestimmt sein. Aber es ist in mehrfacher Weise interessant. Die Autorin ist ausgebildete Mezzosopranistin und Publizistin. Bei vielen Konzerten mit Musikstücken der hier beschriebenen Komponistinnen reifte der Entschluss, diese vergessenen Frauen wieder bekannt zu machen.
Es erzählt die Lebensgeschichten von begabten Musikerinnen, die oft für ihre Liebe zur Musik viele Hürden überwinden mussten. Denn sie lebten in einer Zeit, wo Frauen ungern und selten eine aktive Rolle zugeschrieben wurden. Jean-Jacques Rousseau (1717-1778) vertrat da die allgemeine Ansicht, dass „Frauen weder Genie noch künstlerische Sensibilität besitzen“. Und trotzdem ließen sich diese Künstlerinnen nicht davon abhalten zu komponieren, zu singen und zu musizieren.
Natürlich setzte diese „Passion“ meist einen gewissen gesellschaftlichen Hintergrund voraus – es sind viele adelige Damen. Darunter etwa auch Marie Antoinette von Österreich. Dass sie in der Weltgeschichte eine tragische Rolle spielte, ist allgemein bekannt. Aber nicht so bekannt ist, dass sie schon am Hofe ihrer Mutter Maria Theresia musikalisch ausgebildet wurde und am französischen Hof viele Musiker förderte. Es sind etliche Kompositionen von ihr bekannt.
Aber nicht nur Frauen des Hochadels gelang es, in der damaligen Musikszene Bedeutung zu erlangen. Interessant ist da das Leben der Nannette Stein-Streicher. Als Tochter eines Orgel- und Klavierbauers wuchs sie von Kindheit an mit Musik auf. Sie heiratete einen Jugendfreund Friedrich Schillers und war mit Mozart, Haydn und Beethoven bekannt. Ihre musikalische Neigung als Sängerin und Pianistin stellte sie allerdings immer zurück, um im Betrieb ihrer Familie zu arbeiten. So wurde sie auch als erste Klavierfabrikantin berühmt. Noch heute ist die „Wiener Mechanik“ ein Begriff. Ihre Kompositionen sind aber fast vergessen.
All diese Frauenschicksale sind auch zeitgeschichtlich bemerkenswert, denn man erfährt von den vielen Hürden, die die Frauen allgemein in der damaligen Männerwelt nehmen mussten. Eine Vorstellung, die moderne Frauen in der heutigen Zeit der beinahe Gleichberechtigung kaum nachvollziehen können. Viele Künstlerinnen haben auch einen Bezug zu Wien und dem Kaiserreich. Dies macht die Lebensgeschichten umso interessanter und die vielen Porträts runden das Bild aus den Epochen ab.
Und noch eine – unerwartete – Besonderheit bietet dieses Buch: Die Kapitel sind am Ende jeweils mit Kurzbiographien in englischer und französischer Sprache versehen. Und wurden außerdem von Asako Hosoki, einer in Wien lebenden Pianistin und oftmalige musikalische Begleitung der Autorin, ins Japanische übersetzt. So bekommt das Buch von Andrea Schwab eine internationale Bedeutung und wird sicher dazu beitragen, dass diese fast vergessenen Künstlerinnen doch noch ihren Platz unter den bekannten männlichen Komponisten ihrer Zeit bekommen. Es ist ein interessantes, spannend zu lesendes Büchlein für einen gar nicht so kleinen Leserkreis.
Renate Oppolzer

Schwab, Andrea - Außergewöhnliche Komponistinnen
Weibliches Komponieren im 18. und 19. Jahrhundert. Wien: Hollitzer 2019. 153 S. fest geb. : € 35,00 (KM)
ISBN 978-3-9901258-7-8


 

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