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Bücherschau

Roth, Joseph - Die Rebellion

Die Geschichte des Kriegsinvaliden Andreas Pum

Joseph Roth erzählt in dem Roman „Die Rebellion“, einem frühen Werk von 1924, die Geschichte des Kriegsinvaliden Andreas Pum. Er ist ein bescheidener und gottesfürchtiger Leierkastenspieler, der die Obrigkeit achtet und loyal alle Gesetze des Staates befolgt. Bei der Witwe Blumich scheint er sein kleines privates Glück zu finden. Doch dann gerät der naive Pum durch eine Reihe von Zufällen, aber auch durch eigene und fremde Schuld, in das unbarmherzige Räderwerk der bürgerlichen Gesellschaft.
Aber nicht die offene Verachtung der höheren Instanzen ist ausschlaggebend für die wachsende Empörung in seinem Herzen. Nein, erst als Pum, einer grotesken Verurteilung wegen, im Gefängnis gelandet ist, gestattet man ihm nicht, die Spatzen vor dem Gitterfenster zu füttern. Dieses bürokratische Unrecht nährt die Rebellion in ihm. Von nun an nennt er sich selbst einen „Heiden“. Zuletzt träumt er sich vor die Schranken des Gerichts. Jetzt, im Angesicht des Todes, kündigt er Gott seine Gefolgschaft auf: „Wie ohnmächtig ist Deine Allmacht! Ist Deine Grausamkeit Weisheit, die wir nicht verstehen – wie mangelhaft hast Du uns geschaffen!“ In dieser großen Schlussrede vor einem imaginären Gericht wendet er sich ernüchtert von seinem Gott ab und schmäht ihn. Seine Rede ist zugleich eine umfassende Anklage der sozialen Zustände seiner Zeit. Danach sinkt der Lungenkranke über seinem Tisch, an dem er als Abortdiener alte Zeitungsseiten in Streifen Klosettpapiers zerrissen hat, zusammen.
Grundlage dieser verdienstvollen und schönen Edition mit bislang unveröffentlichten Passagen ist das handschriftliche Manuskript Roths aus dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Ergänzt wird der Roman durch Joseph Roths Feuilletons zu ähnlichen Themen, einem Verzeichnis aller Textvarianten und mit einem ausführlichen Nachwort des Herausgebers Ralph Schock.
Bernhard Preiser

Roth, Joseph - Die Rebellion
Roman. Hrsg. von Ralph Schock. Göttingen: Wallstein 2019. 280 S. - fest eb. : € 24,70 (DR)
ISBN 978-3-8353-3485-4


 

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