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Bücherschau

Hye-Young, Pyun - Der Riss

Wie kann sich ein Leben von einer Sekunde auf die nächste so dramatisch verändern?

„Wie kann sich ein Leben von einer Sekunde auf die nächste so dramatisch verändern? Wie fällt es auseinander, bekommt einen Riss, wie schrumpft es einfach zusammen, bis es sich im Nichts auflöst? Hatte Ogi, ohne es zu merken, seinem Leben geholfen, sich auf die Weise zu entwickeln?
Hye-Young Pyuns Protagonist Ogi wacht in einem Spitalsbett auf und es wird ihm nach und nach bewusst, dass er bei einem von ihm verursachten Unfall seine Frau verloren hat und er selbst zum Pflegefall geworden ist. In Rückblenden erinnert er sich an die Ereignisse und wichtige Zäsuren seines bisherigen Lebens. „Oft waren Frauen für die Wendepunkte in Ogis Leben verantwortlich gewesen.“ Als er zehn Jahre alt ist nimmt sich seine Mutter das Leben, auf der Universität lernt er seine Frau kennen, die ihn auf seinem Karriereweg unterstützt. Bis zu diesem Unfall lebt er als Universitätsprofessor mit seiner Frau in einem Vorort von Seoul.
Seine Frau hat sich zuletzt, statt ihre eigenen beruflichen Ziele als Journalisten zu verfolgen, vollkommen der Gartengestaltung des neu erworbenen Eigenheims gewidmet. In dieses Haus wird Ogi von seiner Schwiegermutter zurückgebracht und gepflegt. Er ist nach dem Unfall nicht nur an das Bett gefesselt, sondern kann sich auch nicht mehr verbal verständlich machen, was sein Leben auf das Zimmer und den Blick in den Garten einschränkt.
Angewiesen auf die Pflegerin und seine Schwiegermutter, mit der er sich durch Pfiffe und Zeichensprache zu verständigen versucht, hängt Ogi seinen Gedanken nach und sieht dabei zu, wie der von seiner Frau angelegte Garten zusehends dem Verfall preisgegeben ist. Ogi blickt in die Vergangenheit. Auf die Beziehung zu seinen Eltern, zu seinen Freunden, den Frauen und seiner Frau, bis er erkennt, dass seine Schwiegermutter bei der Übernahme seiner Pflege etwas anderes als eine Geste der Versöhnung im Sinn hat.
Schnörkellos und klar ist die Erzählweise der südkoreanischen Autorin, die mit Kurzgeschichten im „New Yorker“ und „Harper’s Magazine“ debütierte und zu den erfolgreichen literarischen Stimmen ihres Landes zählt.
Julie August

Hye-Young, Pyun - Der Riss
Roman. München: btb 2019. 221 S. fest geb. : € 18,50 (DR)
ISBN 978-3-442-75771-8
Aus dem Korean. von Ki-Hyang Lee


 

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