Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Bücherschau

Hustvedt, Siri - Damals

Die Autorin blickt zurück auf ihre Initiation als Schriftstellerin

„Die Vergangenheit ist fragil, fragil wie Knochen, die mit dem Alter brüchig geworden sind, fragil wie an Fenstern gesehene Geister oder wie die Träume, die beim Aufwachen zerfallen und nichts hinterlassen als ein Gefühl des Unbehagens oder der Bedrängnis oder, seltener, eine Art unheimliche Befriedigung.“ Der englische Titel „Memories of the Future“ trifft dabei wohl eher den Kern des Konzepts, das Siri Hustvedt in ihrem aktuellen Roman verfolgt.
Die Autorin ist Mitte sechzig und blickt zurück auf ihre Initiation als Schriftstellerin. Sie erzählt in ihrem autofiktionalen Roman von der 23-jährigen S.H., die 1973 nach New York kommt, und hofft, von der Stadt aufgenommen und als Schriftstellerin geboren zu werden. Wie die Autorin stammt sie aus Minnesota und trägt den Namen des Bundesstaates als Spitznamen. Ein Jahr gibt sie sich für ihr erstes Buch, einem als Detektivgeschichte angelegten Roman. Ein wenig liest sich dieser umfangreiche Roman auch wie ein solcher.
Neben Passagen aus dem geplanten Erstling über den jungen Ian, der gemeinsam mit einer gewissen Isadora auf den Spuren von Sherlock Holmes Fälle zu lösen versucht, finden sich auch Tagebuch-Eintragungen von Hustvedt aus ihren ersten Jahren in New York, die sie beim Umzug ihrer Mutter ins Pflegeheim findet. Dann taucht auch noch Lucy Bride auf, die Nachbarin der jungen Schriftstellerin „Minnesota“, und auch ihre Geschichte wird eingewebt in diese Erzählstränge, die angereichert sind mit der gängigen und schicken postmodernen Philosophie und Hustvedts Kommentaren zu Zeit und Erinnerung.
„Aber ich sage ihnen noch einmal, dass eine Geschichte zu einer anderen führt. Eine Geschichte wird zu einer anderen und viele Geschichten sind irgendwie dieselbe.“ Solche Sätze kann sich eine inzwischen sehr erfolgreiche Autorin wie Siri Hustvedt einfach leisten und ihre treuen Leserinnen und Leser werden sie dafür weiterhin ungebrochen schätzen.
Julie August

Hustvedt, Siri - Damals
Roman. Hamburg: Rowohlt 2019. 443 S. - fest geb. : € 24,70 (DR)
ISBN 978-3-498-03041-4
Aus dem Engl. von Uli Aumüller und Grete Osterwald


 

Artikel weiterempfehlen

© ÖGB-Verlag | Mit freundlicher Unterstützung vom Bundeskanzleramt Österreich / Kultur