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Bücherschau

Österle, David - „Freunde sind wir ja eigentlich nicht“

Hofmannsthal, Schnitzler und das Junge Wien

Die Beschäftigung mit „Wien um 1900“ ist eigentlich ein kulturelles Modephänomen, das sich schon ein wenig abgenützt hat. Der junge David Österle, der auch als Musiker hervorgetreten ist, gewinnt dem wohl vertrauten Thema aber doch einige neue und interessante Facetten ab. Österle befasst sich vorrangig mit dem Literatenkreis von „Jung Wien“, neben Hofmannsthal und Schnitzler wendet er seine Aufmerksamkeit Felix Salten, Richard Beer-Hofmann und Hermann Bahr zu.
Schon der Titel seines Buches stammt von Beer-Hofmann. Er macht deutlich, dass der Biograf nicht geneigt ist, in kritikloser Anbetung zu verharren. Snobismus, Dandytum, Konkurrenzneid und eine gewisse innere Unsicherheit der hochbegabten Großbürgersöhne treten vor allem in den gut gewählten Originalzitaten zutage. Hofmannsthal dichtete etwa 1890 zur großen Maidemonstration der Wiener Arbeiterschaft: „Tobt der Pöbel in den Gassen, / ei mein Kind so lass‘ ihn schrei‘n, / denn sein Lieben und sein Hassen / ist verächtlich und gemein.“ Gut, das sind die (wohlklingenden) Verse eines ängstlichen Sechzehnjährigen, aber sie sagen viel aus über die soziale Position des Gymnasiasten, der sie schrieb.
David Österle, Mitarbeiter des Boltzmanninstituts für Theorie der Biografie, trifft hier und auch sonst sehr genau den wunden Punkt. Ihm ist zu gratulieren. Er hat ein interessantes Buch geschrieben. Erfreulich ist auch die große Zahl gut gewählter Abbildungen.
Robert Schediwy

Österle, David - „Freunde sind wir ja eigentlich nicht“
Hofmannsthal, Schnitzler und das Junge Wien. Wien: Kremayr & Scheriau 2019. 224 S. : zahlr. Ill. - fest geb. : € 24,00 (BI)
ISBN 978-3-218-01162-4


 

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