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Bücherschau

Lackner, Herbert - Als die Nacht sich senkte

Europas Dichter und Denker zwischen den Kriegen und am Vorabend von Faschismus und NS-Barberei

Herbert Lackner, langjähriger Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Profil“, war ein prominenter Journalist (Lackner ist seit ein paar Jahren in Pension). Von den Fesseln des journalistischen Alltags befreit, widmet er sich jetzt dem Bücherschreiben. Sein Band: „Die Flucht der Dichter und Denker“, der 2017 erschien, wurde von der Leserschaft und der Kritik sehr freundlich aufgenommen. Es ist zu erwarten, dass das vorliegende Buch ebenso erfolgreich sein wird. Hervorragend geschrieben und akribisch rezensiert, erzählt der Autor das Schicksal einiger großer Literaten in der Zwischenkriegszeit (1919-1938), deren Leben und Existenz durch die Barbarei der Nazis schwerstens bedroht war. Die Reaktion der betroffenen Künstler, in der Überzahl jüdische Mitbürger, fiel unterschiedlich aus. Während einige die drohende Gefahr nicht erkannten, sie kleinredeten oder sie überhaupt ignorierten, packten die anderen ihre Koffer und suchen Zuflucht im Ausland. Der Bogen reicht von persönlicher Naivität bis zur politischen Hellsichtigkeit.
Sigmund Freud sitzt in der Wiener Berggasse 19 und schreibt seine Analysen. Ein paar Freunde raten ihm zur Flucht, aber der Gelehrte schlägt alle Ratschläge in die Luft. Erst im März 1938 geht er mit seiner Tochter Anna nach England in das Exil. Die Reichsfluchtsteuer, die die Nazis dafür verlangen, wird von Marie Bonaparte, einer ehemaligen Schülerin, bezahlt. Egon Friedell, der Verfasser einer umfangreichen „Kulturgeschichte der Neuzeit“, springt, um seiner Verhaftung zu entgehen, von seiner Wohnung in der Wiener Gentzgasse aus dem Fenster in den Tod. Der politische Opportunist Franz Werfel und die exaltierte Alma Mahler-Werfel entkommen in letzter Minute per Schiff in die USA …
Lackner schöpft aus einem reichhaltigen Primärquellenfundus (Tagebücher, Memoiren, Briefe, etc.) und steckt den zeitlichen Rahmen, in dem sich das politische Inferno abgespielt hat, gekonnt und geschickt ab. Ohne die Digitalisierung großer Bestände der österreichischen Nationalbibliothek und anderer Bibliotheken und Archive wären die zahlreichen Querverbindungen, die Lackner herstellt, in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen. Chapeau!
Friedrich Weissensteiner

Lackner, Herbert - Als die Nacht sich senkte
Europas Dichter und Denker zwischen den Kriegen und am Vorabend von Faschismus und NS-Barberei. Wien: Ueberreuter 2019. 224 S. : Ill. - fest geb. : € 22,95 (GE)
ISBN 978-3-8000-7729-8

 

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