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Bücherschau

Grill, Bartholomäus - Wir Herrenmenschen

Unser rassistisches Erbe. Eine Reise in die deutsche Kolonialgeschichte

Der Kolonialismus ist keineswegs ein Ruhmesblatt in der Geschichte Europas. Die Anfänge der Gründung von Kolonien gehen auf das 16. Jahrhundert zurück, als englische, französische, holländische, spanische und portugiesische Seefahrer begannen, die Überseegebiete, die sie entdeckt hatten, zu kolonisieren, sprich: sie zu erobern, wirtschaftlich auszubeuten und politisch zu beherrschen. Der „weiße Mann“ hielt sich für einen Herrenmenschen, der aufgrund seiner biologischen Höherwertigkeit, seiner geistigen und technischen Überlegenheit sich für berechtigt hielt, den unzivilisierten Völkern seine Kultur aufzuzwingen.
In den folgenden Jahrhunderten festigten die Europäer ihre Herrschaft und wetteiferten um den Erwerb von Kolonien. Sie waren in diesem Wettstreit nicht zimperlich. Sie beuteten die Bodenschätze der unterworfenen Länder aus und benützten sie als Absatzmärkte für ihre Fertigprodukte. Die als minderwertig betrachteten Menschen wurden versklavt, ihre Arbeitskraft auf Sklavenmärkten feilgeboten. Die Grenzen der Siedlungsgebiete wurden neu gezogen, die Stammeskultur der „Nigger“ zerstört. Raub, Mord und Erpressung waren an der Tagesordnung. Als Gegengeschenke erbaute man Gotteshäuser, Straßen, Schulen und Spitäler.
Der Kolonialismus verschonte zunächst den afrikanischen Kontinent, der erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Raubtierimperialismus abgelöst wurde. Zu den alten Kolonialstaaten gesellten sich 1871 nach der Reichsgründung das Deutsche Reich, Italien, Belgien. Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, der Kongo, Inseln in der Südsee wurden kolonisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen sich die Kolonialherren zurück und hinterließen einen politisch zerrissenen, wirtschaftlich ausgebeuteten Kontinent. In den folgenden Jahrzehnten verließen Millionen Menschen ihre Heimatländer und suchten in Europa ein besseres Leben. Aber ihre einstigen Unterdrücker hatten keine Freude mit ihnen. Wohl erhielten Zehntausende Asyl, aber für ungezählte Tausende endete ihre Flucht mit dem Tod. Die Geschichte rächt sich. Afrika wird in diesem Jahrhundert die Welt noch beschäftigen.
Bartholomäus Grill, ein anerkannter Afrikakenner, hat ein lesenswertes, entschieden antikolonialistisches Buch geschrieben, das zur Nachdenklichkeit anregen sollte.
Friedrich Weissensteiner

Grill, Bartholomäus - Wir Herrenmenschen
Unser rassistisches Erbe. Eine Reise in die deutsche Kolonialgeschichte. München: Siedler 2019. 304 S. - geb. : € 24,70 (GE)
ISBN 978-3-8275-0110-3

 

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