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Bücherschau

Schmidtkunz, Renata - Himmlisch frei

Warum wir wieder mehr Transzendenz brauchen

Warum und wozu schrieb die bekannte ORF-Journalistin Renata Schmidtkunz dieses Buch? Ihre Antwort ist eindeutig, sie möchte herausfinden, „was uns seelisch bestärken kann, woran wir uns in dieser Zeit der absichtsvollen Vernebelung und Infragestellung aller bisher gültigen humanen Werte halten können und sollen“. Ihr Ansatz ist also kein rein religiös-philosophischer, sondern vor allem ein gesellschaftspolitischer. Die Autorin will etwas verändern und setzt dabei – der Untertitel sagt es – auf mehr Transzendenz.
Bevor sie nun ihre persönliche Vorstellung von Transzendenz erläutert, befragt sie eine Reihe kompetenter Persönlichkeiten zu diesem Thema, darunter auch Interviewpartnerinnen und -partner aus ihrer Radioreihe „Im Gespräch“. Dabei fällt auf, dass in vielen Antworten die Transzendenz implizit als das wirksamste Mittel gegen die Übel unserer Zeit erscheint. In einem evangelischen Pfarrhaus aufgewachsen, studierte Renata Schmidtkunz Theologie in Wien und Montpellier, entfernte sich in der Folge aber vom Gott der Bibel, trat aus der evangelischen Kirche aus, um letztendlich wieder zurückzufinden, jedoch unter anderen Vorzeichen. In ihrer geistigen Biographie sind es kaum rein intellektuelle Einsichten, welche die Richtung ihres Denkens und Handelns bestimmen, sondern immer subjektive Erfahrungen, und an denen ist ihr Werdegang reich. Zwei solcher prägenden Erfahrungen sollen hier genannt werden.
Im Abschnitt „Heilige Momente ohne Gott“ erzählt sie, wie sie in Israel beim Sterben eines befreundeten Interviewpartners Zeuge war und wie dort alles ganz ohne Gott, Erlösung, Auferstehung usw. abging, aber trotz aller Religionslosigkeit „heilig“ war. Im Gegensatz dazu hatte sie Jahre vorher beim Tod ihrer Mutter unter dem kalten Ritual eines christlichen Begräbnisses gelitten, bei dem jede Form von Empathie fehlte.
Die wahrscheinlich wichtigste Wende verdankt sie aber einer Erinnerung aus der Kindheit ihrer Tochter. Diese war im Rahmen des Religionsunterrichtes vom geliebten Lehrer aufgefordert worden, auf einem Blatt Papier ein Bild von Gott zu zeichnen. Voller Stolz zeigte das Mädchen zuhause ihrer Mutter die Zeichnung: Man sah darauf Menschen, die einander an der Hand hielten und einen Kreis bildeten. Renata Schmidtkunz hatte ihren neuen Gott gefunden! Es war nicht länger der allmächtige Patriarch, sondern ein verbindender, einer der die Menschen zur Liebe verbindet. Er kümmert sich vor allem um die Belange dieser Welt und will, dass die Menschen einander lieben. Ihr neuer Gott ist aber auch die Unendlichkeit, denn Unendlichkeit macht frei, sie führt zur himmlischen Freiheit, weil sie das Gegenteil von Herrschaft darstellt und Transzendenz ermöglicht.
Renata Schmidtkunz stellt wichtige Fragen: Gibt es Zufall, Vorbestimmung, Erleuchtung, Auserwählte? Steuern wir auf ein neues Mittelalter zu? Sie spricht über Phantasie, Utopien, Macht, von den Grenzen der Sehnsucht, vor allem aber davon, dass es immer Alternativen gibt. Auf 180 Seiten leistet sie viel: Sie skizziert die Geschichte vom Verlust der Transzendenz in unserer westlichen Welt und mögliche Wege zur Wiedergewinnung. Vor allem aber, und dadurch werden die 180 Seiten einzigartig, wie sie als Individuum zur rettenden Transzendenz gelangte. Das macht dieses Buch nicht nur informativ und aktuell, sondern auch spannend und berührend.
Wolfgang Gauglhofer

Schmidtkunz, Renata - Himmlisch frei
Warum wir wieder mehr Transzendenz brauchen. Wien: edition a 2019. 180 S. - fest geb.: € 22,00 (PI)
ISBN 978-3-99001-269-7

 

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