Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Bücherschau

Sukare, Hanna - Schwedenreiter

Ein Heimatroman

Paul Schwedenreiter hat das Haus seiner Großeltern in Hinterstumpf im Innergebirge geerbt. Er lebte dort mit seiner Großmutter Rosa, denn seine Mutter war früh gestorben, sodass Paul sie nur von Fotos her kannte. Sein Großvater Felician desertierte von der Wehrmacht und versteckte sich mit anderen Deserteuren in den Bergen. Seine Großmutter wurde von den Nazis verschleppt und gefoltert, um den Aufenthaltsort ihres Mannes zu erfahren, aber sie schwieg und kam in ein Konzentrationslager.
Nach dem Krieg kehrte sie zurück und wurde wie viele Opfer des Krieges bzw. der Nazis wie eine Aussätzige behandelt und bekam erst nach vielen Jahren vom Staat eine Entschädigung, während ehemalige Nationalsozialisten, auch in führenden Positionen, nach dem Krieg recht rasch von den beiden Großparteien ÖVP und SPÖ amnestiert wurden und gesellschaftlich anerkannte Positionen einnehmen konnten. „Nur die Ermordeten könnten ihren Mördern vergeben“ (S. 152).
Paul, der nach Wien gegangen war und dort Brückenmeister geworden war, hatte das hinter sich gelassen, nachdem er in Wien seine Frau Meret kennen- und lieben gelernt hatte. Nach ihrem frühen Tod beschäftigt Paul die Chronik von Stumpf, in der die Deserteure wie sein Großvater als Landplage dargestellt werden und ein hoher ehemaliger Nazifunktionär von damals als Retter von Stumpf dargestellt wird. Paul recherchiert in Archiven und anderen Quellen nach diesem Mann und diese Recherchen bringen einiges zutage, helfen ihm aber nicht, sich mit dem Ort und den BewohnerInnen zu versöhnen. Schließlich lässt er das Großelternhaus mit Hilfe seiner Kollegen schleifen und errichtet dort einen Gedenkstein für die Deserteure und ihre Angehörigen.
Hanna Sukare beschreibt in diesem auf Fakten beruhenden Fall ausgesprochen eindringlich und berührend den Kampf der Hauptfigur gegen Ungerechtigkeit, Vergessen und Niedertracht. Kurz nach der Buchpräsentation von „Schwedenreiter“ wurde der Gedenkstein für 14 von den Nazis ermordete Wehrmachtsdeserteure in Goldegg im Salzburger Pongau von Unbekannten beschmiert, sodass alle Namen darauf unkenntlich gemacht wurden. Eine bessere Werbung für die absolute Notwendigkeit dieses Buches gibt es nicht.
Rudolf Kraus

Sukare, Hanna - Schwedenreiter
Ein Heimatroman. Salzburg: Otto Müller Verlag, 2018. 172 S. - fest geb. : € 20.00 (DR)
ISBN 978-3-7013-1261-0

 

Artikel weiterempfehlen

© ÖGB-Verlag | Mit freundlicher Unterstützung vom Bundeskanzleramt Österreich / Kultur