Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Bücherschau

Pleschinski, Hans - Wiesenstein

Gerhart Hauptmann am Ende des Zweiten Weltkriegs

Gerhart Hauptmann war bereits über 80 Jahre alt und fast gelähmt, als er mit seiner Frau das Sanatorium im zerbombten Dresden Richtung Osten verlässt. Er fährt mit Sekretärin, Köchin, Masseur, Zofe, Butler und Gärtner nach Schlesien zu seiner pompös eingerichteten Villa „Wiesenstein“ in Agnetendorf, wo er seinen Lebensabend verbringen will.
Doch überall herrscht Angst und Mangel an Lebensmitteln. Deutsche aus Pommern flüchten über Schlesien in den Westen, russische Tiefflieger feuern in die Menschenmassen hinein. Doch „Wiesenstein“ ist durch seine exponierte Lage eine Oase der Ruhe mitten in der Verwüstung. Immer wieder wird Hauptmann aufgefordert, Stellung zur Lage zu nehmen. So schlägt der deutsche Generalgouverneur von Polen ihm vor, ein Heldenepos über Stalingrad zu verfassen. Das Propagandaamt verlangt von ihm gar eine Protestrede gegen die Vernichtung Dresdens zu schreiben. Als diese völlig verändert im Großdeutschen Rundfunk gesendet wird, erkennen die Bewohner von „Wiesenstein“, dass sie hier nicht mehr sicher sind.
1945 kommen die Russen nach Schlesien. Das Gebiet wird polnisch und überall wehen rote Fahnen und hängen riesige Stalinbilder. Ein russischer Major, der die Werke Hauptmanns kennt, weist den kommunistischen polnischen Bürgermeister an, den Schriftsteller und sein Anwesen mit allen Bewohnern zu schützen. 1946 werden die Deutschen aus Schlesien vertrieben. Gerhart Hauptmann, seine Frau und seine Angestellten gelangen nach mühevoller Fahrt an die Ostsee, wo sie in einer Villa auf Hiddensee Ruhe finden und wo sich auch Hauptmanns Grab befindet.
Hans Pleschinski beschreibt nicht nur die letzten schwierigen Jahre des Schriftstellers, sondern schildert sehr anschaulich auch die Atmosphäre der letzten Kriegsjahre in Schlesien. Es war eine irre Zeit mit Morden, Zerstörung, Rohheit und Blutvergießen. Und dennoch genießt Hauptmann, dem man die ärgsten Ereignisse nicht mitteilt, mitten in den Wirren von Krieg und Flucht, abgeschottet in „Wiesenstein“, seine Tasse Tee beim Kamin oder auf der Veranda. Zahlreiche zitierte Stellen aus Werken und Tagebüchern sind hier erstmals veröffentlicht. Ein sehr informatives, gut lesbares Werk.
Traude Banndorff-Tanner

Pleschinski, Hans - Wiesenstein
Roman. München: Beck 2018.
547 S. - fest geb. : € 24,70 (DR)
ISBN 978-3-406-70061-3

 

Artikel weiterempfehlen

© ÖGB-Verlag | Mit freundlicher Unterstützung vom Bundeskanzleramt Österreich / Kultur