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Bücherschau

Kegele, Nadine - Und essen werden wir die Katze

Lebensläufe in ihre Bausteine zerteilt

Das Büchlein fällt in mehrfacher Hinsicht aus dem Rahmen. Zunächst sind da die eigenwilligen Collagen der Autorin. Aus alten Fotos und ausgeschnittenen Wort- und Satzteilen wird Neues zusammengesetzt und, wie einst bei den kindlichen „Ausnähkarten“, mit einem roten Faden und groben Stichen ausgenäht. Wobei die Aussagen der so gestalteten Collagen vielseitig interpretierbar sind.
Im Klappentext wird dies folgendermaßen erklärt: „Sie [die Autorin] zerteilt Lebensläufe in ihre Bausteine, verwebt mit dem roten Faden der biografischen Frage Gespräche, Zitate und Nachrichten zu literarischen Texten, näht Buchstaben und Bilder zu Collagen zusammen – und geht dabei weit über die Genregrenzen hinaus“.
Der Rest der 200 Seiten ist in mehreren Erzählungen aufgeteilt. Wobei der Begriff Erzählung nicht zu eng gesehen werden kann. Es sind eher Schlaglichter auf verschiedene Menschen und ihre Situationen. Kegele sagt darüber: „Das Leben ist eine Gratwanderung zwischen Wut und Witz.“ Nur rutscht die Gratwanderung permanent nach links ab und der Witz bleibt dabei auf der Strecke.
Die Autorin sucht nach „Leerstellen und Zwischentönen, „aber man findet wenig dieser ausgewiesenen „leeren „Stellen“, die es ja insgesamt in der Literatur kaum noch gibt und auch die Zwischentöne sind nicht hörbar. Die Ideen zu ihren Erzählungen schöpft die junge Vorarlbergerin aus ihrer Tätigkeit als Kursleiterin für migrantische WienerInnen und beim „Augustin“ (eine Wiener Straßenzeitung).
Ein Kapitel heißt zum Beispiel „Kopfweh aus Kuwait“ und ist die Geschichte eines Biduni. Bidun ist die arabische Bezeichnung für staatenlose Menschen, die seit über hundert Jahren in Kuwait und den Emiraten leben. Der junge Mann lebt nun in Österreich und versucht hier ein neues Leben aufzubauen. Eine andere Erzählung trägt den Titel „Syrien ist heimlich in Polen verliebt“ und schildert Situationen an einer Schule, wo die Jugendlichen nicht mit ihrem eigenen Namen genannt werden, sondern sie heißen nach ihrem Herkunftsland. Interessant ist das Kapitel 6 und dabei der Abschnitt „Du sollst“, eine Anleitung für selbstgefällige Männer, woher auch immer.
Die Kreativität, die Nadine Kegele zweifelsohne besitzt, ist bemerkenswert und wird auch für sie weiter in der persönlichen Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt ein wichtiger Bestand sein. Nur, für die Leser, die vielleicht „moderne“ Literatur nicht so gewöhnt sind, wird es stellenweise nicht einfach sein, sich in den doch sehr unkonventionellen, bewusst holprigen Schreibstil einzulesen. Und wer nicht gerade ein Dauerabo beim Falter besitzt, wird auch mit einigen politischen Aussagen nicht gerade konform gehen.
Renate Oppolzer

Kegele, Nadine - Und essen werden wir die Katze
Wien: Kremayr und Scheriau 2018.
203 S. - fest geb. : € 22,90 (DR)
ISBN 978-3-218-01123-5

 

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