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Bücherschau

Gunnis, Emily - Das Haus der Verlassenen

Ein Krimi mit realem Hintergrund

Seit Jahren lesen die Menschen in den Medien von den grauenhaften Geschehnissen, die sich in Kinderheimen (nicht nur in Europa) zugetragen haben. Mutige Journalisten konnten erreichten, dass die Taten, die etwa in irischen Magdalenenheimen begangen wurden, endlich ans Tageslicht kamen. Besonders die Kinderheime, die von religiösen Trägern geführt wurden, waren für die Insassinnen der reinste Horror. Unverheiratet ein Kind zu bekommen war besonders für junge, arme Mädchen ein Desaster. Das Kind wurde ihnen weggenommen und im besten Fall zur Adoption freigegeben. Die jungen Mütter, die selber oft fast noch Kinder waren, wurden der Ächtung der „anständigen“ Gesellschaft ausgesetzt. Und das geschah nicht irgendwann im 19. Jahrhundert, die Heime waren noch nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv.
Die Drehbuchautorin Emily Gunnis hat lange recherchiert, um einen umfassenden Hintergrund für ihre Story zu haben. Sie fügte nachweisbare, realistische Details zu einer spannenden, aber natürlich fiktiven Geschichte zusammen. Durch den Fund verzweifelter Briefe einer jungen Schwangeren aus dem Jahre 1956 wird die smarte Journalistin Samantha auf das Schicksal der armen, sitzengelassenen Ivy aufmerksam. Sie wurde von der eigenen Familie in ein Heim für ledige Mütter gebracht. Der Kindesvater taucht ab und so ist sie den grausamen Nonnen des Heims St Margarets ausgeliefert.
Das Kind wird ihr sofort abgenommen und sie soll drei Jahre die „Unkosten“ im Heim abarbeiten. Alle spielen offenbar mit, der Pater, der Arzt, die Adoptionsstelle. Durch die flehentlichen Briefe aufgerüttelt, fährt Sam neugierig zu dem leerstehenden großen Herrenhaus, das damals als Heim diente. Es sollte abgerissen werden, aber der Fund einer Leiche vereitelt das Vorhaben. Der Pater und Leiter des Heims verschwand 1999, seine Leiche wurde jetzt durch die Erdarbeiten in einem Tunnelsystem entdeckt. Was ist da geschehen? Unfall oder Mord?
Und so beginnt die Geschichte über das „Haus der Verlassenen“ eine Eigendynamik zu entwickeln. Niemand ahnt, dass daraus ein weitreichender Kriminalfall wird. Und vor allem ist nicht absehbar, dass auch Samantha und ihre Familie involviert sind. Eine spannende Geschichte, ein Krimi mit realem Hintergrund und ein interessanter Versuch, die psychologische Aufarbeitung von Missbrauch und Gewalt der beteiligten Personen zu beschreiben. Wie gehen die Menschen damit um, Opfer wie Täter? Wer verdrängt, wer leidet und wer wehrt sich und lehnt sich gegen sein Schicksal auf? So wird aus der (fiktiven) Story eine packende Erzählung mit einem furiosen Ende. Es ist zu erwarten, dass Emily Gunnis daraus auch ein spannendes Drehbuch machen wird!
Renate Oppolzer

Gunnis, Emily - Das Haus der Verlassenen
Roman. München: Heyne 2019.
400 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-453-27212-5

 

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