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Bücherschau

King, Stephen - Der Outsider

Perfektes Spiel mit der Realität, den Fakten und Sicherheiten

Wir sind ja von Stephen King alle möglichen und unmöglichen Monstergewohnt, doch in letzter  Zeit hat er sich den uns innewohnenden Monstern verschrieben und siehe da, er ist und bleibt ein Meister der Spannungsliteratur (Suspense). Sein Faible sind ja die amerikanischen Kleinstädte mit ihren Monstern (Einwohnern und Einwohnerinnen), die vertrackten und versteckten Familiengeschichten und -geheimnisse.
Was mir besonders auffällt ist, dass bei King keine der Figuren eindimensional bleibt, er gibt jeder Figur eine Vielschichtigkeit, die einfach nur Freude bereitet. Womit er aber wunderbar spielen kann, das sind unsere eigenen (die der Leserschaft) Geschichten und damit verbundenen Vorurteile, Ahnungen, Ängste und Schrecken. Gänsehaut garantiert. Eine Seite lese ich noch – garantiert. Ein Kapitel lese ich noch – garantiert. Man beobachtet sich dabei, wie man den Atem anhält und doch mehr haben will. Mehr vom Dunklen, Bösen, Unheilvollen. Wunderbar. Grandios.
In einer Kleinstadt gibt es einen Sporttrainer, Terry. Er ist beliebt, fördert die Burschen, ist engagiert und hat selber zwei Töchter und natürlich die übliche Kleinstadtgattin. Einer seiner Schützlinge wird in einem Park ermordet und missbraucht gefunden. Es sieht sogar so aus, dass dem armen Buben durch einen Menschen eine Bisswunde zugefügt wurde. Im Klartext: der Mörder hat auch noch ein Stück gegessen. Einige Zeugen haben scheinbar den Coach in der Nähe des Tatorts gesehen, sie haben ihn auch mit Blut am Hemd gesehen und sie können beschwören, dass es Terry war. Der Sheriff und der Staatsanwalt wollen den schnellen Erfolg auf keinen Fall vermasseln und verhaften Terry beim sonntäglichen Spiel direkt von der Trainerbank weg. Vor allen Leuten. Vor Marcy und den Töchtern. Vor der gesamten Kleinstadt. Doch Terry kann beweisen, dass er zur Tatzeit in einer anderen Stadt war. Die DNA-Proben vom Opfer weisen aber eindeutig auf ihn hin.
Am nächsten Tag soll er dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Mob versammelt sich. Die Familie des Opfers (ein Bruder, die Eltern) sind in Agonie. Nach dem Mord an dem Buben ist dessen Mutter an einem Herzinfarkt gestorben. Am Tag der Vorführung versucht sich der Bruder des Opfers als Rächer und wird dabei erschossen, nachdem er seinerseits drei Schüsse auf Terry abgegeben hat. Die ganze Stadt ist im Chaos. Daraufhin sieht der Vater des Opfers auch keinen Grund mehr, zu leben und möchte sich erhängen. Und Terry sagt eine Sekunde vor seinem Tod dem Sheriff ins Ohr, dass er es nicht war.
Das Spiel mit der Realität, den Fakten und Sicherheiten kann King perfekt. Er dreht an einem Rädchen der Wahrheit und schon sind wir in einer Parallelwahrheit, die aber genauso richtig ist. Oder doch nicht? Purer Lesegenuss.
Mario Reinthaler

King, Stephen - Der Outsider
Roman. München: Heyne 2018.
747 S. - fest geb. : € 26,80 (DR)
ISBN 978-3-453-27184-5

 

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