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Bücherschau

Deaver, Jeffery - Der Komponist

Ein Lincoln-Rhyme-Thriller

Für mich persönlich muss ein guter Thriller so spannend sein, dass ich gar nicht aufhören mag, zu lesen und vor jedem Umblättern eine prickelnde Aufregung verspüre. Weiters sollte mich der Autor ein wenig in die Irre führen, aber nicht zu viel! Die Geschichte sollte glaubhaft sein! Mit zumindest einer der Figuren sollte ich mich identifizieren können! Und ich sollte feststellen können, dass sich der Autor ein paar Gedanken über Details gemacht hat: Handlungsorte, Chemikalien, physikalische Gesetze, Kultur, politischen Hintergrund, menschliche Psyche usw. Dann funktioniert für mich ein Thriller als Lesevergnügen.
Nun, beim „Komponisten“ ist es mir passiert, dass ich mehrmals genervt das Buch weggelegt habe, einmal habe ich mich sogar dabei ertappt, laut aufgelacht zu haben. Nicht, weil Deaver überraschend humorvoll war, sondern weil die betreffende Stelle so absurd war, dass es einfach nur zum Lachen animierte. Sympathie: der Hauptheld Lincoln Rhyme ist ein unsympathischer Grantscherm, ein arroganter Mensch, der trotz seiner Behinderung (er sitzt im Rollstuhl, weil von der Schulter abwärts gelähmt) kein bisschen Empathie hervorruft. Die Hauptheldin, Amelia Sachs, ein ehemaliges Supermodel, Polizeibeamtin beim NYPD (Mordkommission) ist ähnlich flach – sie kann alles, macht alles und ist ihrem zukünftigen Ehemann Lincoln Rhyme (geh bitte!) unterwürfig ergeben! Seltsam bis unglaubwürdig.
Rhyme und Sachs wollen heiraten (warum bitte schön? Mit keinem Wort wird Liebe, Verbundenheit oder Nähe erwähnt!) und es soll Flitterwochen geben. Rhyme möchte nach Grönland, weil sich dort ein nicht näher beschriebener Fall ereignet hat. Dann taucht plötzlich im Internet ein Video auf, dass einen Mann zeigt, der mit einer Vorrichtung sich selbst zu strangulieren droht, begleitet von Musik und seinen Atemzügen als Taktgeber. Amelia Sachs ist rechtzeitig zur Stelle und sie können auf Grund von Partikeln, chemischen Spuren, an den Haaren herbeigezogenen Details den Ort des Verbrechens ermitteln und den Mann retten. Der Komponist hat zugeschlagen und flüchtet nach Italien.
In Neapel ist der zentrale Schauplatz ein Flüchtlingslager. Der Komponist „arbeitet” weiter und die Gruppe um Rhyme, samt den italienischen Behörden und gemeinsam mit einem Forstwachebeamten Ercole, der erstaunliche Auffassungsgabe besitzt, ist ihm auf der Spur. Und dann kommt die Auflösung und werte Leser und Leserinnen, haltet ein paar Taschentücher bereit, damit Ihr Euch die Lachtränen wegwischen könnt. Absurd, absurd, absurd! Ich räume ein, dass die Realität die Fiktion oft an Absurdität übertrifft und vielleicht kann es so etwas geben, immerhin möglich wäre es. Aber für mein Lesevergnügen ist es absolut abträglich, wenn ich bei einem Thriller aus dem Lachen nicht herauskomme!
Fazit: Deaver ist nicht mein Fall. Rhyme ist unsympathisch. Sachs ist flach und eindimensional. Die Schurken sind seltsam und zu sympathisch. Basta!
Mario Reinthaler

Deaver, Jeffery - Der Komponist
Ein Lincoln-Rhyme-Thriller.
München: Blanvalet 2018.
606 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-7645-0646-9

 

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