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Bücherschau

Klingl, Livia - Der Lügenpresser

Tief in die österreichische Seele eingetaucht

Karl, 62, ist verliebt in Sonja aus Moldawien. Und zwar das erste Mal in seinem Leben so richtig verliebt. Jetzt weiß er endlich, was die da alle immer herumtun mit dem Thema Liebe, jetzt versteht er endlich. Wenn Sonja aus dem Bett aufsteht, da riecht er an dem Polster noch immer ihren Geruch, saugt das ganze Glück durch die Nase ein, wer hätte das gedacht. Karl wundert sich über sich selbst. Doch insgesamt scheint Karl, ein Journalist und studierter Historiker, ein rechter Miesepeter und Nörgler zu sein, ein echter Wiener halt.
Nun gut, einige Veränderungen im Land sind ja recht brauchbar und sinnvoll und vernünftig, aber dass man nicht mehr zum Beispiel „Mohr im Hemd“ sagen darf und jetzt gleichgeschlechtliche Paare heiraten wollen, das kommt ihm doch seltsam vor. Insgesamt spricht der Roman alles in allem Dinge an, worüber manch einer sich so durch den Tag wundert, Themen der Allgemeinheit, aber irgendwie doch eine Nörgelei und Raunzerei insgesamt, ein bissl peinlich. Gut geeignet zum Fremdschämen.
Mit spitzer Feder und hintersinnigem Witz taucht Livia Klingl tief in die österreichische Seele ein. Sie schickt Karl Schmidt auf eine Reise durch das Gestern, das Heute und das Morgen und beschreibt das allgegenwärtige und zeitlose Gefühl, aus der Zeit gefallen zu sein. Sehr nahe, sehr fern, oh je, bin ich auch so?, denkt sich der Leser. Ein Spiegel der Gesellschaft?
Manuela Kaltenegger

Klingl, Livia - Der Lügenpresser
Roman. Wien: Kremayr & Scheriau 2018. 192 S. - fest geb. : € 22,00 (DR)
ISBN 978-3-218-01107-5

 

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