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Bücherschau

Ghali, Waguih - Snooker in Kairo

Dekadente Atmosphäre

„Ich habe nie mit etwas Tragischen in Berührung kommen, wollte nicht geplagt werden.“ Dieser Satz aus Waguih Ghalis erstem und einzigen Roman liest sich wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ram, sein Ich-Erzähler, ein Sohn aus einer reichen Familie koptischer Christen treibt durch die Tage des Kairo der 1950er Jahre, besucht Partys der Oberschicht, geht ins Groppi’s, um Whiskey zu trinken und Erdnüsse zu essen oder in den Snooker Club, um mit seinen Freund Font eine Partie zu spielen oder bis in die Morgenstunde zu debattieren. Das postkoloniale Ägypten wir anhand dieser fast überdrüssig flanierenden Dandys in seiner Zerrissenheit zwischen Anarchie und Orthodoxie gezeigt. Ram und seine Freunde lehnen die Oberschicht ihrer Herkunft kategorisch ab, jedoch nicht deren Annehmlichkeiten, die ihr Leben seid den frühsten Jahren prägen. Ein Land im Umbruch und eine Generation die auf der Suche nach Sinn und Werten durch die Tage spaziert.
Durch die Liebe zu Edna, die jüdischer Herkunft ist, kommt Ram in Kontakt mit der ägyptischen Bevölkerung und seiner eigenen Herkunft sowie dem Boden der politischen Realität der repressiven Nasser-Ära, die von zunehmend diktatorischer Grausamkeit geprägt ist. Ein Roman, der die dekadente Atmosphäre seiner Entstehungszeit ausströmt, aber auch ein Bild Ägyptens transportiert, wie es nicht gegenwärtiger sein könnte. So tragisch sein Held in der Suche nach Bedeutung erscheint, sind auch die Umstände von Ghalis Tod. Fünf Jahre nach Erscheinen des Romans unter dem Titel „Beer in the Snooker Club“ nimmt sich Ghali im Alter von ungefähr vierzig Jahren im britischen Exil mit Schlaftabletten das Leben.
Julie August

Ghali, Waguih - Snooker in Kairo
Roman. München: Beck 2018. 255 S. - fest geb. : € 22,70)
ISBN 978-3-406-71902-8

 

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