Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Bücherschau

Meruane, Lina - Rot vor Augen

Verlust des Augenlichts

„Man muss warten, ob es aufklart, damit ich einen Blick auf die Katastrophe werfen kann. Und wenn es niemals aufklart, unterbrach ich ihn, wenn mein Körper das eigene Blut nicht mehr absorbiere?“ Lina hat wieder einen der mit unsäglich langen Wartezeiten verbundenen Augenarzttermin. Es geht um nichts Geringeres als den Erhalt von Linas Augenlicht. Am Beginn des Romans fällt das über ihr seit Jahren baumelnde Damoklesschwert und trifft unwiderruflich ihre Netzhaut. Lina ist Diabetikerin und erleidet eine Art von Herzinfarkt hinter ihren Augen, welcher ihr das Augenlicht nimmt. Drei Monate des Bangens, der Ungewissheit und Umorientierung werden in diesem Roman intensiv beschrieben und reflektiert.
Lina Meruane beschreibt in ihrem vierten Roman plastisch den Verlust eines Sinnes und die schmerzhafte Neuorientierung ihrer Protagonistin. Sie durchläuft alle Phasen dieses Verlustes, der Sprachlosigkeit und des Schweigens sowie der Ratlosigkeit ihres Umfeldes, das sie nun noch lauter hört als ihr lieb ist. Der zum Glück vorübergehende Verlust eines Sinnes verändert auch die Intensität der anderen Wahrnehmungsebenen. Lina Meruane beschreibt dies hart, sehr plastisch und emotional. Ihre Protagonistin beginnt eine intensive Innenschau, die nicht nur sie, sondern auch ihre Beziehungen maßgeblich verändert.
Julie August

Meruane, Lina - Rot vor Augen
Roman. Zürich: Arche 2018. 200 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-7160-2766-0

 

Artikel weiterempfehlen

© ÖGB-Verlag | Mit freundlicher Unterstützung vom Bundeskanzleramt Österreich / Kultur