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Bücherschau

Schreiner, Margit - Kein Platz mehr

Bestandsaufnahme eines Schriftstellerinnen-Ichs in seiner Zeit

„Wahrscheinlich ist der Sinn des Todes, endlich Platz zu machen.“ Wohl nicht unabsichtlich steht dieser Satz etwas vereinzelt auf den ersten Seiten von Margit Schreiners neuem Roman. So wie selten etwas unabsichtlich in den im bekömmlichen Plauderton daherkommenden Büchern der Autorin gesetzt wird. Der Satz stellt die inhaltliche Klammer des ersten Teiles dar, in dem das erzählende Autorinnen-Ich über die Last des Erbens, Archivierens und Ansammeln philosophiert. Es wird mit den Jahren alles irgendwie enger, ist so die diffuse Grundstimmung und der Ausgangspunkt des Nachdenkens darüber, wenn man beispielsweise viele hundert Urlaubsdias der Eltern einfach in einen schwarzen Müllsack kippt und dabei wohl auch gefühlsmäßig die Eltern ein Stück weit mit.
Mit dem Alter steigt der Besitz an Material und Erfahrung, stellt das erzählende Ich an vielen Beispielen fest, doch zum Glück auch der Humor, um mit den naturgemäß steigenden Ansprüchen und Beanspruchungen des Alterns und den damit verbundenen Frustrationen in der westlichen Leistungsgesellschaft zurechtzukommen. Margit Schreiner schafft dies erzählerisch witzig und nachdenklich zugleich. Mit dem Älterwerden stellen sich naturgemäß auch die Sinnfragen deutlicher, werden Lebensentwürfe der Freunde beäugt und die eigene Schriftsteller-Existenz und der Überlebenskampf als Künstler kritisch, aber liebevoll hinterfragt.
„Verzweifelt sind wir alle. Aber nicht jeder hat das Geld und/oder den Mut, die Kraft, die Fähigkeit oder die Lust, gleich alleine um die Welt zu segeln, den Urwald zu durchqueren oder auf den Mount Everest zu steigen.“ Wie zeitgemäß ist diese Feststellung in einer Zeit, in der Tempo, materieller Reichtum und die Weltbevölkerung zunimmt, jedoch eine Werte- und Sinnentleerung diagnostiziert wird. Ein ruhiger Platz für sich allein wird zur projizierten Sehnsucht, die mit dem Altern beim Autorinnen-Ich zunehmend größer wird. Letztlich stellt sie versöhnlich fest: „Jeder muss seine eigene, ganz persönliche Ruhe finden.“ „Kein Platz mehr“ ist eine kluge und leichte Bestandsaufnahme eines Schriftstellerinnen-Ichs in seiner Zeit.
Julie August

Schreiner, Margit - Kein Platz mehr
Roman. Frankfurt: Schöffling 2018. 176 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-89561-281-7

 

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