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Bücherschau

Lattanzi, Antonella - Noch war es Nacht

Familiendrama mit Mord

„Noch war es Nacht“ ist die Geschichte von Carla und Vito, die sich von Kindesbeinen an kennen, in jungen Jahren ein Liebespaar werden, heiraten und gemeinsam drei Kinder kriegen. In Carlas Leben war Vito immer der einzige Mann, aber diese Art Liebe ist von Leidenschaft, von Eifersucht und Gewalt geprägt. Vito schlägt und demütigt seine Frau, dabei müssen auch die Kinder zusehen. Als die beiden ältesten Kinder, Nicola und Rosa, fast erwachsen und aus dem Haus sind und die kleine Mara, eine Nachzüglerin, ein Jahr alt ist, gelingt Carla der Absprung aus diesem ehelichen Desaster und sie verlässt Vito. Aber dieser kann die Trennung nicht akzeptieren, taucht immer wieder in Carlas Leben auf und jagt ihr Angst ein.
Gegenüber den Kindern ist Vito ein völlig anderer Mensch. Er liebt seine Kinder, sie lieben ihren Vater. Die beiden großen Kinder haben jedoch eine zwiespältige Haltung zu ihm. Die schlimmen familiären Geschehnisse haben sie in ihrer Lebenshaltung geprägt und beide befinden sich beinahe – offenbar Schutz suchend – in einem inzestuösen Verhältnis. Nachdem sich die Situation endlich zu entspannen scheint, gibt Carla dem Drängen der kleinen Mara nach und lädt ihren geschiedenen Mann zum gemeinsamen Geburtstagsfest ein.
Dieses findet allerdings nicht in ihrer eigenen Wohnung statt, sondern in der ihres Bruders im gleichen Haus. Der Abend verläuft überraschend harmonisch! Bis die schlimme Nachricht hereinbricht, dass Vito spurlos verschwunden sei. Carla und die Kinder starten völlig verzweifelt eine groß angelegte Suchaktion. Ebenso Vitos Schwester Mimma und Vitos Geliebte Milena. Die ganze Sache nimmt plötzlich eine völlig neue Dimension an, als man auf einer Mülldeponie außerhalb Roms eine männliche Leiche findet, an der Spuren einer Gewalttat festgestellt werden. Mord! Unmittelbar danach gerät Carla in einen furchtbaren Verdacht und wird zum Mittelpunkt der Ermittlungen. Man legt ihr zur Last, sie habe gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten die Tat begangen. Carla wird letztlich verhaftet und es wird ihr der Prozess gemacht. Im Zuge dieses Verfahrens kommen tiefe zwischenmenschliche Abgründe auf.
Es bleibt der Leserin/dem Leser vorbehalten, in diesem Falle die wahre Schuld und die möglichen Schuldigen ans Licht zu bringen. Geschickt und mit einer ungeahnten Sprachgewalt verbindet die Autorin krimihafte Spannungselemente mit irrealen menschlichen Verhaltensweisen und tiefgehender Familienproblematik. Wie schon erwähnt, lässt sie dabei viele Fragen offen. Eindeutige Antworten zu diesem Familiendrama würden dieser sprachlichen Meisterleistung auch nicht gut bekommen.
Adalbert Melichar

Lattanzi, Antonella - Noch war es Nacht
Roman. Reinbek: Kindler 2018. 284 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-463-40699-2
Aus dem Italien. von Margit Knapp

 

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