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Bücherschau

Karlweis, Marta - Das Gastmahl auf Dubrowitza

Inspektionsreise der Zarin mit Folgen

In dem vorliegenden Roman der 1889 in Wien geborenen Schriftstellerin handelt es sich um eines der Bücher, die nach dem Zweiten Weltkrieg komplett verschwunden waren und 2017 vom DVB Verlag (Das verschwundene Buch) neu aufgelegt wurde. „Das Gastmahl auf Dubrowitza“ wurde 1921 erstmals veröffentlicht und beschreibt die Inspektionsreise der Zarin Katharina II. durch die südlichen Provinzen ihres Reiches im Jahre 1787. Mit auf der Reise war damals ihr Günstling und angeblicher Liebhaber Gouverneur Grigori Alexandrowitsch Potemkin und inkognito auch der Sohn Maria Theresias, Kaiser Joseph II.
„Ein Gemälde von riesigen Dimensionen und von unerhörter Kraft der Farbe rollt vor dem Leser ab“, zitiert Johann Sonnleitner in einem Nachwort zur Neuauflage des Buches die damalige Rezension des Buches im „Neuen Wiener Tagblatt“ vom 13.9.1921. Nun, die Sprache ist tatsächlich sehr bildhaft und eindringlich und lässt die Zeit und die Geschehnisse vor dem Auge des Lesers lebendig werden. Hier nehmen auch die umstrittenen „Potemkinschen Dörfer“ ihren Ursprung. Hatte der Gouverneur seiner Zarin tatsächlich prächtige Fassaden als Blendwerk aufstellen lassen, um ihr vorzugaukeln, wie ihr Land aufblühe? Musste das hungernde Bauernvolk als Statisten in diesen von ihnen für nur einen Tag errichteten Dörfern fungieren?
Hauptprotagonistin des Romans ist jedoch nicht Zarin Katharina die Große, sondern die Marschallin Jelena Wasiliewna. Auf ihrem Gut Tschertschersk, neun Tagesreisen nördlich von Kiew, soll die Zarin auf ihrer Reise übernachten. Ein hochgewachsener Mann erscheint im Dorf, der die Bewohner anhält, ihre Häuser neu zu streichen, um bei der Zarin einen guten Eindruck zu hinterlassen. Soldaten kommen, um die Dorfbewohner bei der Verschönerung des Dorfes zu unterstützen. Die Zarin trifft mit ihrem Gefolge ein und man verbringt einen harmonischen Abend miteinander, bevor der Tross weiterzieht – immer allen voran der hochgewachsene Phalajew, die rechte Hand Potemkins, der die Umgebung dem hohen Besuch „anpasst“.
Doch in dieser einen Nacht kommt es zu einem Unglück – ein Brand löscht den Besitz der Marschallin aus. Diese macht sich nun auf den Weg, und reist der Zarin nach, um sie um Geld für den Wiederaufbau zu bitten – immerhin waren es ihre Leute, die für das Feuer verantwortlich waren. Während die Zarin per Schiff den Dnepr entlang reist, muss Jelena Wasiliewna den Weg zu Fuß oder in einem armseligen Bauernwagen zurücklegen. Dabei sieht sie all das Elend, das der Zarin verborgen bleiben soll. Eine gelungene Wiederentdeckung.
Sabine Diamant

Karlweis, Marta - Das Gastmahl auf Dubrowitza
Hg. von Johann Sonnleitner. Leipzig: DVB 2018. 211 S. - fest geb. : € 22,00 (DR)
ISBN 978-3-9504158-7-2

 

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