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Bücherschau

De Luca, Erri - Den Himmel finden

Die guten Taten eines Bildhauers

Der Bildhauer lebt nahe der Staatsgrenze in einem kleinen Dorf am Fuße von Bergen, die er zuerst auf der Suche nach Mineralien und Fossilien und später als Bergsteiger erkundet hat. Er lebt alleine, seinen bescheidenen Lebensunterhalt verdient er sich mit der Reparatur von Skulpturen, meistens in Kirchen. Seine Frau hat ihn verlassen, weil er nicht ehrgeizig genug war. Sie wollte mit ihm in Mailand leben, und seine Werke, sein Schaffen in Galerien und Museen ausgestellt wissen. Er war mit dem zufrieden, was er tat und was er hatte.
Seit geraumer Zeit half er zwei Kameraden, Reisende (so nannte er die Flüchtlinge) über die Grenze zu bringen. Im Gegensatz zu den beiden anderen, kassiert er zwar auch Geld dafür, gibt es den Reisenden aber am Ziel wieder zurück. Es kommt wie es kommen muss. Einer der Reisenden spricht über die guten Taten des Bildhauers und das ausländische Fernsehen kommt, er ist der Heilige aus den Bergen, der rechtschaffene Schmuggler. Seine Kameraden (der Schmied und der Bäcker) fordern ihn auf, entweder für die Grenzgänge zu kassieren oder das Dorf zu verlassen. Der Bildhauer entschließt sich, zu gehen. Er nimmt sein Handwerkszeug und geht in eine Stadt am Meer.
Mit seinen fast sechzig Jahren war er noch nie am Meer gewesen. Er sucht sich eine billige Unterkunft und macht sich auf, nach Arbeit zu suchen. In einer der Kirchen, die er besucht, hat er Glück. Man sucht einen Bildhauer, der einer Skulptur des gekreuzigten Jesus den Lendenschurz wieder entfernen soll. Eine sehr schwierige Aufgabe, denn der Bildhauer hat zwar Erfahrung mit der Arbeit mit Marmor, doch hier besteht die Gefahr, dass beim Entfernen des nachträglich erst angebrachten Lendenschurz auch ein sehr „heikler“ Teil der Skulptur verletzt werden könnte. Schließlich bekommt er den Auftrag, weil ihn der Bischof als jenen „Heiligen aus den Bergen“ wiedererkennt. Als er den Lendenschurz entfernt, wird der Bildhauer mit einem Problem konfrontiert, mit dem er so nicht gerechnet hat.
Erri de Luca hat den Roman geschrieben, nachdem ihm ein befreundeter Bildhauer eine Geschichte erzählt hatte. Sein namenloser Bildhauer in der Geschichte ist nicht sehr religiös, auch wenn er viel mit sakralen Werken zu tun hat. Sein Auftrag zwingt ihn jedoch, sich mehr und mehr mit seinem eigenen Glauben auseinanderzusetzen.
Sabine Diamant

De Luca, Erri - Den Himmel finden
Roman. Berlin: List 2018. 190 S. - fest geb. : € 17,50 (DR)
ISBN 978-3-471-35171-0

 

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