Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Bücherschau

Bouchal, Robert/Egghardt, Hanne - Mythische Burgenwelten

Geheimnisvolle Orte nahe Wien

Es gibt sie noch – die vergessenen Geheimnisse, das Abenteuer einer Entdeckung, der Nervenkitzel des Unbekannten. Und die Abenteuer sind mit Sicherheit nicht nur in der Ferne vorzufinden. Es beginnt bereits in unserer unmittelbaren Umgebung, in unserem Land, ja sogar in dem Land um die Bundeshauptstadt Wien. Schlummert nicht in uns allen ein Stück Entdeckergeist? Manche von uns leben diese Neigung und machen sie zu ihrer Lebensaufgabe.
Der Höhlenforscher, Fotograf und Buchautor Robert Bouchal ist mit dieser Leidenschaft beseelt. Alte, zum Teil vergessene Orte zu besuchen, sie zu dokumentieren und zu beschreiben ist eine seiner vielen Leidenschaften. Eine Vielzahl von Höhlen, Stollen, Fabriksruinen, Häuser mit bewegter Geschichte und Gebäude aus der NS-Zeit, die sich im Laufe der Jahre zu sogenannten "Lost Places" verwandeln, sind das Ziel seiner Forschungsarbeit. Als Fotograf und Filmemacher gelingt es ihm mittels seiner vielen Publikationen, seine Leser in Wort und Bild zu fesseln. Hanne Egghardt ist seit 1992 freie Autorin und zum erste Mal mit ihm auf Spurensuche. Sie ist spezialisiert auf das Thema des Mittelalters und widmet sich mit großem Interesse der Geschichte von Burgen und Schlösser unserer Heimat, worüber sie bereits publizierte.
In diesem von beiden erarbeiteten Werk widmen sich die Autoren einer von ihnen ausgesuchten Burgenwelt und beschreiben einige geheimnisvolle Orte, die rund um Wien anzutreffen sind. Beleuchtet werden neben vielen anderen Bauwerken die Ruine Pottenburg im Wolfsthal (die Burg der grauenhaften "Blutgräfin"), eine schaurige Geschichte! Es geht weiter mit der vielen Autofahrern als "lästige" Engstelle auf der alten Straße nach Bratislava in Erinnerung gebliebenen Hainburg.
Engstellen waren im Mittelalter strategisch interessant, um an diesen Stellen eine Burg zu errichten. So geschehen auch im Helenental bei Baden. Die Ruine Rauhenstein war einst eine mächtige Burganlage. Heute ist nur mehr der 20 Meter hohe Burgfried erhalten. Seine Basis besteht aus drei Meter dicken Mauern. Die Geschichte dieser Burg (und den beiden kleineren, Ruine Rauheneck und Ruine Scharfeneck) ist geprägt von Raub, Totschlag und Überfällen (sogar Kaiserin Eleonore wurden hier zwei kostbare Hemden geraubt – ein harter Schlag für die edle Dame, denn sie hatte nur drei …!).
Viele Sagen werden über die Burgen erzählt. Letztendlich aber entsprachen die Ruinen in der Romantik dem angesagten Trend und sind bis heute ein vielbesuchtes Ausflugsziel. Der Reigen der Burgen geht über die Burg Kreuzenstein, Burgruine Johannstein (im Tierpark Sparbach), Seebenstein weiter rund um Wien. Spannend ist auch die Geschichte des Schlosses Schönau und ihrer Eigentümer. Die letzte Besitzerin war Elisabeth Windisch-Graetz, die Tochter Kronprinz Rudolfs. Sie ist auch als "die rote Erzherzogin" bekannt und hatte ein bewegtes Schicksal. Besonders interessant ist aber die Geschichte vom "Tempel der Nacht" im herrlichen, als englischer Landschaftsgarten angelegten Schlosspark von Schönau. Die Reste zeugen noch von der einstigen Größe des geheimnisvollen "Vergnügungsortes" mit eindeutigem Bezug zur Freimaurerei.
Zuletzt sei noch kurz Schloss und Schlosspark von Laxenburg erwähnt. Dieses Schloss war jahrhundertelang die Kaiserliche Residenz vor den Toren Wiens. Für die meisten Wiener ist das Schloss aber untrennbar mit der Geschichte des letzten Kaiserpaares verbunden und vielen durch Sonntagsausflüge vertraut. Da denkt sich doch jeder, dass es hier nichts Unbekanntes mehr zu finden gibt – weit gefehlt! Im Schlosspark befindet sich hinter dem alten Schloss ein abgelegener, sehr großer Erdhügel. Dieser weist auf zwei Seiten eine breite Auffahrtsrampe auf. Darunter befindet sich der Hofeiskeller von Laxenburg. Ein vergessenes Bauwerk, das einst zur Kühlung diente. Der Eiskeller ist heute verschlossen und nicht zugänglich. Robert Bouchal konnte aber die Anlage mit Erlaubnis der Betriebsgesellschaft dokumentieren und vermessen. Im Buch findet sich ein von ihm erstellter Plan. Vielleicht werden einmal die "Hofeiskeller" in Laxenburg revitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein heißer Tipp: Besuchen Sie die den YouTube- Kanal von Robert Bouchal. Sie haben hier mittels eines Filmes die Möglichkeit über die Helmkamera des Höhlenforschers den Eiskeller von innen zu betrachten.
Besonders bemerkenswert an dem interessanten und wunderschön bebilderten Buch sind die Hinweise am Ende jedes Kapitels. Hier führen die beiden Autoren den Leser mittels einer Beschreibung an die Orte, wo die Burgen und Ruinen zu finden sind. Anfahrtswege und Hinweise zur Besichtigung der Objekte erleichtern es den Leser, sich selber auf Spurensuche zu begeben. Dieses Buch ist eine ideale Vorbereitung für wunderschöne Ausflüge, zur Freude der ganzen Familie. Wieder ein sehr gelungenes Werk, das viele begeisterte Leser finden wird.
Renate Oppolzer

Bouchal, Robert/Egghardt, Hanne - Mythische Burgenwelten
Geheimnisvolle Orte nahe Wien. Berndorf: Kral 2018. 232 S. : tahlr. Ill. - fest geb. : € 26,90 (EH)
ISBN 978-3-99024-789-1

 

Artikel weiterempfehlen

© ÖGB-Verlag | Mit freundlicher Unterstützung vom Bundeskanzleramt Österreich / Kultur