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Bücherschau

Gauld, Tom - Kochen mit Kafka

Cartoonsammlung

Der Titel der Cartoonsammlung „Kochen mit Kafka“ des Künstlers Tom Gauld mag im ersten Moment etwas verwirrend anmuten, vielmehr ist er aber (eben auch angesichts der mitunter bizarren Entwicklungen am Buchmarkt) überaus passend gewählt: In der entsprechenden Arbeit wird Kafka beim Backen dargestellt, der Strip mutet auch vorsätzlich wie ein Beispiel aus einer wöchentlich erscheinenden Serie an. Und bietet der trotz (oder auch: wegen) der grafischen Stilisierung gut erkennbare österreichische Autor in dieser Folge literarische Bonmots à la „Der Sinn des Lebens ist sein Ende“ und den Weg zum perfekten Zitronenkuchen, so verspricht die Ankündigung für die nächste Woche gar „Bananen-Karamel-Kuchen“.
Die eigenwillige Zusammenziehung widersprüchlicher Elemente, die sich in diesem Beispiel so perfekt zeigt, ist Teil von Gaulds Komik-Programm. Der 1976 geborene Schotte hat schon in früheren, ähnlich gelagerten Arbeiten eine deutliche Affinität zum literarischen Feld bewiesen, sei es mit zahlreichen Zeitschriftenveröffentlichungen, sei es mit umfangreichen Arbeiten wie der vergleichsweise düsteren Graphic Novel „Goliath“. Gaulds Zeichnungen finden sich auf dem Cover des „New Yorker“, seine Illustrationen werden regelmäßig in Zeitungen und Periodika veröffentlicht.
Mit der vorliegenden Auswahl von Cartoons, die im „The Guardian“ und in der „New York Times“ erstveröffentlicht wurden, setzt er auf die Auseinandersetzung mit dem Feld der Kultur, insbesondere eben der Literatur. In grafisch verknappter, in Expression und Dynamik geradezu reduzierter Form gelingt es Gauld die Bereiche literarischer Produktion, Distribution und Rezeption unterhaltsam zu reflektieren, ohne seine entspannt mitvermittelte, durchaus veritable Kritik zu entkräften: Die thematische Bandbreite reicht dabei von dystopischen Verkehrsschildern, über gemeine Kreuzworträtsel und Autorenbärte oder Literaturfestivals hin bis zu kontrafaktischen Geschichtsbüchern.
Dass Gauld im Rahmen seiner Cartoons einerseits den Klassikern, andererseits dem kreativen Prozess besonders viel Aufmerksamkeit widmet, ist dabei ebenso schlüssig wie gewinnbringend. Ähnlich wie beispielsweise Kate Beaton bietet er durch seine Zugriffe eine alternative Sichtweise auf das (vermeintlich) Bekannte – vor allem aber bietet er intelligente, referenzgeleitete Unterhaltung, die sich auch immer wieder am Feld der Phantastik orientiert. Wenn also Gaulds Darstellung der „Bibliotheken der Zukunft“ auch ein paar grimmige Details bietet, in den Buchsammlungen der Gegenwart sollte dieser schön gestaltete Band nicht fehlen dürfen.
Thomas Ballhausen

Gauld, Tom - Kochen mit Kafka
Zürich: Edition Moderne. 160 S. - fest geb. : € 19,50
ISBN 978-3-03731-176-9

 

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