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Bücherschau

Baker, Jo - Ein Ire in Paris

Roman über Samuel Becketts Leben in Paris

Von Samuel Beckett, dem berühmten Schriftsteller aus Irland, der mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, ist kaum etwas aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs bekannt. Die Autorin hat sich während ihres Studiums eingehender mit dem Schriftsteller befasst und die Bedeutung der Kriegsjahre in Frankreich für ihn und sein Schaffen erkannt. Diese unruhige, entbehrungsreiche Zeit stellt sie in den Mittelpunkt ihres Romans.
England hat 1939 Deutschland den Krieg erklärt. Beckett will nicht zu Hause in Irland bleiben, sondern zu seiner Freundin Suzanne nach Frankreich zurückkehren. So lebt er mit ihr zusammen in Paris. Als die Deutschen die Stadt 1940 einnehmen, flüchtet er mit ihr in den Süden Frankreichs. In Vichy können sie nur kurz bleiben, da die neue Regierung alle Hotels hier braucht und es für die beiden gefährlich wird. So sind sie neuerlich auf der Flucht. James Joyce, mit dem er bekannt ist, bittet eine reiche Familie, ihn mit Geld zu unterstützen. Sollen sie nun nach Spanien oder Amerika weiterflüchten oder vielleicht besser nach Irland fahren?
Doch Beckett erhält die Zulassungspapiere für seinen Aufenthalt in Frankreich und bleibt mit Suzanne in Paris. Das Geld wird knapper, der Winter eisig, und sie haben kaum etwas zu essen oder zu heizen. Im Sommer 1941 wird Beckett von Bekannten angeworben, für London Informationen über Truppen- und Materialbewegungen der Deutschen in Nordfrankreich zu sammeln. Es ist eine gefährliche Aufgabe, und viele Freunde in dieser Widerstandsorganisation werden verraten und von der Gestapo abgeholt. Als es zu gefährlich wird, fliehen Beckett und Suzanne neuerlich. Die ständige Angst, die Ungewissheit, der Hunger, sie sind eine Zerreißprobe für das erschöpfte Paar. Nach dem Krieg nimmt Beckett das unstete Schriftstellerleben ohne fixe Bezahlung wieder auf, er beginnt wieder zu schreiben und versucht auch, mit Suzanne ein neues Leben in Paris zu führen.
Jo Baker beschreibt sehr einfühlsam und sehr lebendig eine wichtige und eher unbekannte Phase im Leben Samuel Becketts. Es gelingen ihr dabei mitreißende Schilderungen von dramatischen Szenen, wie etwa der Kampf der Flüchtlinge um einen Platz im Zug. Ein glänzend geschriebener Roman.
Traude Banndorff-Tanner

Baker, Jo - Ein Ire in Paris
Roman. München: Knaus 2018. 345 S. - fest geb. € 22,70 (DR)
ISBN 978-3-8135-0754-6

 

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