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Bücherschau

Schnalke, Christian - Römisches Fieber

In einer deutschen Künstlergemeinschaft in der "Ewigen Stadt"

Man schreibt das Jahr 1818. Franz Wercker flieht vor einer unseligen Familiengeschichte. Ein tragischer Zufall ergibt dass er in die Identität des nach Rom reisenden Dichters Cornelius Lohwaldt schlüpfen kann. In der „Ewigen Stadt“ wird er vorerst von einer deutschen Künstlergemeinschaft freundlich aufgenommen und lebt sich dort trotz falscher Identität mehr und mehr ein. Es sollte aber nicht allzu lange andauern und das Lügengebäude rund um seine Person gerät gehörig ins Wanken. Gute Freundschaft, ehrliche Liebe, Neid, Hass, dunkle Vermutungen, eine leichtsinnig gelöste Beziehung zu einer Schweizer Künstlerin und letztlich ein unmoralisches Angebot der Schwester Lohwaldts führen zur Katastrophe.
Christian Schnalke erzählt flüssig, ja sogar zum Teil fulminant! Er reißt im wahrsten Sinne des Wortes seine Leserschaft mit. Man fühlt sich im Rom des 19. Jahrhunderts beinahe heimisch. Zumal man in der Gesellschaft unzähliger namhafter Künstler (Maler, Dichter, Klassiker) schwelgen kann. Aber von Mal zu Mal verfängt sich der Autor in diesem fiebrigen Geschehen und läuft Gefahr die Übersicht zu verlieren. In diesen Momenten gerät der Roman unentrinnbar in die Falle der Banalität. Man vermeint dann nur mehr Hochspannung zu verspüren und muss letztlich enttäuscht zugeben, dass man lesend auf dem Niveau eines Dreigroschenheftes unterwegs ist. Dies zieht sich hartnäckig bis zum Finale durch.
Ansonsten schwankt diese Lektüre zwischen einem feinsinnigen Künstlerroman, einem abenteuerlichen Reisebericht, einem schummrigen Gesellschaftsroman und einer gar nicht zimperlichen Kriminalstory. Diese jede für sich schon anspruchsvollen literarischen Gattungen in einem Buch zu verarbeiten, gleicht einem Drahtseilakt mit einem Mehrfachsalto.
Adalbert Melichar

Schnalke, Christian - Römisches Fieber
Roman. München: Piper 2018. 387 S. - fest geb. : € 22,70 (DR)
ISBN 978-3-492-05906-0

 

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