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Bücherschau

Stallhofer, Angelika - Adrian oder Die unzählbaren Dinge

Ein neoliberales Wohngefühl wird zur Realität

In Angelika Stallhofers Debütroman "Adrian oder: Die unzählbaren Dinge" wird ein neoliberales Wohngefühl zur Realität: ein smartes Wohnhaus, das Wünsche abliest, den Kühlschrank versperrt, wenn das Idealgewicht nicht erreicht ist, zur Bewegung mit Nachdruck auffordert, alles mit Kameras beobachtet  (mit Ausnahme der Toilette) und vor allem für Sicherheit sorgt, also die Bewohner beschützt.
Der Ich-Erzähler Adrian ist Werbetexter und erhält von seiner Agentur den Auftrag, eine Woche lang im smarten Musterhaus der Immobilienmagnaten Häusermann zu verbringen, um dort ein Werbekonzept für die smarten Wohnhäuser zu entwerfen. Die von ihm erfundene Werbefigur Max Beier soll im Mittelpunkt der Werbekampagne werden. Allerdings entwickelt Max Beier in Adrians Probewoche ein Eigenleben, die Woche selbst bekommt immer mehr skurrile und bedrohliche Züge.
Adrian reflektiert in dieser Woche über sein Leben und seine Beziehung zur Schriftstellerin Anna, über seinen Vater, dessen Leben im Pflegeheim von Adrian bezahlt wird und immer schwieriger zu finanzieren ist, und über sein Arbeitsleben, das ihm immer mehr zu schaffen macht.
Angelika Stallhofer hat in die souverän erzählte Geschichte poetische Einschübe eingebaut, die von der Schriftstellerin Anna in Worte gefasst werden: „Das Geschichtenerzählen ist so alt wie das Feuer. Ich schreibe Sätze, ganze Wälder davon. Ich weiß, nur wenn die Worte gut brennen, entzündet sich die Fantasie.“
Diese Passagen tun dem Roman gut, denn der Wahnsinn des hier dargestellten Arbeitslebens, wo ständig Druck von allen Seiten entsteht, der dem Protagonisten den Atem raubt, ist schwer zu verdauen.
Ein gelungenes, teils skurriles und reflektiertes Romandebüt, absolut lesenswert!
Rudolf Kraus

Stallhofer, Angelika - Adrian oder Die unzählbaren Dinge
Roman. Wien: Kremayr & Scheriau 2018. 189 S. fest geb. : € 19,90 (DR)
ISBN 978-3-218-01124-2

 

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