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Bücherschau

Rieger, Barbara - Bis ans Ende, Marie

Ein rasantes, stilistisch experimentfreudiges Spektakel

Barbara Rieger liefert mit ihrem Debütroman „Bis ans Ende, Marie“ ein rasantes, stilistisch experimentfreudiges Spektakel ab, das eigentlich eine recht überschaubare Handlung besitzt.
Eine junge Frau jammert viel über ihr Leben: über den Ex-Freund und dessen Eltern, die eigenen Eltern, die sie kein bisschen verstehen, die geliebte Oma, die aber im Sterben liegt, über die Uni und ihren Schwarm Dominik, der sie nicht genügend beachtet. Ihre Mitbewohnerin, Freundin und Vertraute Marie ist das absolute Gegenteil, sie genießt das Leben in vollen Zügen, ist selbstbewusst, sieht gut aus und macht meistens, was ihr gefällt. Doch so einfach die Story auch klingen mag, Barbara Rieger verleiht ihren Figuren Tiefgang, Psyche und analytisches Verständnis.
Marie ist Kellnerin in einer Bar, die Tom gehört und mit dem sie anfangs auch zusammen ist. Marie lädt die Erzählerin zu sich nach Hause (offenbar im Salzkammergut) ein und die beiden Frauen verbringen dort einige intensive Tage, die ihre Freundschaft vertiefen lässt; sie werden sogar Blutsschwestern. „Bevor es auf mich schlägt, nimmt Marie mir das Messer aus der Hand, nimmt meine Hand, drückt ihre Hand auf meine, reibt ihre Hand an meiner, verreibt ihr Blut mit meinem, nimmt einen Schluck Schnaps und gibt mir einen Kuss. Deine Angst vor Blut kannst du vergessen, sagt sie, steh auf!“ (S. 96).
Die Ich-Erzählerin emanzipiert sich im Laufe des Romans immer mehr von Marie und scheint im Finale, das passenderweise eine Silvesterparty beschreibt, doch noch im wahren Leben zu landen. Das Buch ist aufbereitet wie ein Drehbuch, gespickt mit Einschüben und Zitaten aus Songs, die auch am Ende als Soundtrack aufgelistet sind.
Rudolf Kraus

Rieger, Barbara - Bis ans Ende, Marie
Roman. Wien: Kremayr & Scheriau 2018. 202 S. - fest geb. : € 19,90 (DR)
ISBN 978-3-218-01120-4

 

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