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Bücherschau

Handke, Peter - Die Handke Bibliothek

Erste Werkausgabe

Es gibt nur wenige Autoren, denen schon zu Lebzeiten eine Werkausgabe gewidmet wird. Peter Handke wurde nun eine besonders schöne zu seinem 75. Geburtstag zuteil (wenn auch etwas verspätet). In drei kompakten Schubern ist hier Peter Handkes Lebenswerk in handlichen 14 schönen Leinenbänden versammelt:12,5 Kilogramm. Hier ist jetzt alles versammelt, was er seit 1966 in Buchform veröffentlicht hat, als sein erster Roman „Die Hornissen“ bei Suhrkamp erschien und ein halbes Jahr später sein Sprechstück „Publikumsbeschimpfung“ in der edition suhrkamp, aufgeführt in Frankfurt in der Regie von Claus Peymann. Mit diesem Stück und seinem Aufbegehren gegen die damals geschriebene deutschsprachige Literatur bei der Tagung der Gruppe 47 in Princeton fand er Einlass in die Medien und fand sich plötzlich als Popstar der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur wieder.
In Princeton hatte er über die dort vorgestellten Texte diagnostiziert, wie mickrig und realitätsverloren sie in ihrer simplen Modellen der Realitätsabbildung waren und erklärt: „Ich habe nichts gegen die Beschreibung, ich sehe vielmehr die Beschreibung als notwendiges Mittel an, um zur Reflexion zu gelangen.“ Dies kann nun von den „Hornissen“ angefangen über „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, dem „Kurzen Brief zum langen Abschied“, „Wunschloses Unglück“ bis hin zu „Langsame Heimkehr“ und seinen großen „Alterswerken“ „Mein Jahr in der Niemandsbucht“, „Der Bildverlust oder Durch die Sierra de Gredos“ und „Die morawische Nacht“ überprüft werden. Die erste Kassette umfasst in sechs dicken Bänden alle Prosabände sowie in einem Band die Gedichte („Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt“ und „Gedicht an die Dauer“) und alle Theaterstücke und Filmdrehbücher in zwei Bänden.
Die „Handke Bibliothek“ versteht sich als Leseausgabe und fasst alle zwischen 1965 und 2016 veröffentlichten Bücher Peter Handkes zusammen, die in Einzelschriften sowie Sammelbänden erschienen sind. Die Unterteilung orientiert sich am Untertitel des 1969 herausgekommenen Sammelbandes „Peter Handke – Prosa Gedichte Theaterstücke Hörspiel Aufsätze“.
So sind nun in der zweiten Kassette in zwei umfangreichen Bänden erstmals alle Aufsätze und Essays zusammengefasst, wobei im zweiten Band alle Texte zu Jugoslawien gebündelt sind. Die dritte Kassette birgt dann noch einen besonderen Schatz, nämlich alle bislang veröffentlichten Journale Peter Handkes, vom „Gewicht der Welt“ aus den 1970er Jahren bis zu „Gestern unterwegs“, „Ein Jahr aus der Nacht gesprochen“ und „Vor der Baumschattenwand nachts“ (2007-2015), also alle Bücher, die Handke seit 1982 mit von ihm ausgewählten Auszügen aus seinen Notizheften zusammengestellt hat.
Briefwechsel sowie als Buch oder in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlichte Interviews wurden nicht berücksichtigt. Auch die zahlreichen Übersetzungen Peter Handkes wurden nicht aufgenommen ebensowenig wie Vorabdrucke oder Rezensionen. Auch von Kommentierungen wurde abgesehen. Dies hätte diese Ausgabe, die trotz des großen Umfangs dennoch sehr übersichtlich ist, wohl gesprengt. Es liegt also eine wunderschön gestaltete Ausgabe (sowohl im Design als auch typographisch) des wichtigsten österreichischen Autors unserer Zeit als Leseausgabe vor. Einer (erneuten) Lektüre steht nichts mehr im Wege. Leser, was willst du mehr?

Georg Pichler

Handke Bibliothek I  Bände 1-9.  Prosa, Gedichte, Theaterstücke.  7008 Seiten, 203,60 Euro. 978-3-518-42781-1
Handke Bibliothek II Bände 10/11.  Aufsätze. 1784 Seiten, 70 Euro. 978-3-518-42782-8
Handke Bibliothek III Bände 12-14.  Journale. 2632 Seiten, 91,50 Euro. 978-3-518-42783-5 Alle Suhrkamp Verlag, Berlin.

 

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