Bücherschau

Schmöe, Friederike - Dohlenhatz

Ein Jahrzehnte zurückliegender Mord

Schmöe, Friederike - Dohlenhatz
Kriminalroman. Meßkirch: Gmeiner 2017. 274 S. - br. : € 13,40 (DR)
ISBN 978-3-8392-2048-1

Ein weiteres Highlight des Frühjahrsprogramms des Gmeiner Verlags ist wohl der neue Roman von Friedrike Schmöe, deren Privatdetektivin Katinka Palfy vielen Lesern schon aus zehn Romanen bekannt ist. „Dohlenhatz“ ist Palfys 11. Fall. Der Krimi erscheint anlässlich der Bayrischen Landesausstellung 2017 in Coburg. Die Ausstellung hat das Wirken Martin Luthers in Coburg zum Thema.
In dieser Landesausstellung werden auch Ausschnitte eines alten Tagebuchs einer Köchin gezeigt, das vor kurzem auf der Veste Coburg gefunden wurde. Darin wird von drei Morden berichtet. Philipp Heller, der Berater der Bayrischen Landesausstellung ist, wird erpresst. Er soll den Stadtrat Gerald Höchst ermorden. In seiner Not bittet er Katinka Palfy, die Privatdetektivin, um Hilfe. Heller beteuert seine Unschuld. Doch einen Tag später verschwindet Gerald Höchst spurlos.
Auch dessen Frau bittet Palfy um Hilfe und so beginnt eine unkonventionelle Ermittlungsarbeit, die sich mit dem Freundeskreis von Höchst befasst. Palfy stößt auf ein Ereignis, das sich im Wendewinter 1989 zugetragen hat. Wer war schuld am Tod eines jungen Mädchens, das von einem Autolenker angefahren wurde und an der Unfallstelle hilflos verblutete. Der Lenker beging damals Fahrerflucht. Katinka Palfy hat diesmal viel zu tun!
Als Rezensent und Liebhaber von Kriminalromanen frage ich mich schon, warum gerade in letzter Zeit so viele Romane, wie etwa Nele Neuhaus „Im Wald“ oder Heiner Meemkens „Der vergessene Tag“ sich mit Ereignissen befassen, die vor vielen Jahren stattgefunden und als Unfälle oder „als unaufklärbar“ zu den Akten gelegt worden sind. In all diesen Romanen ist der Täter meist unter honorigen Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit zu suchen.
Eine weitere Eigenart dieses Romans, die ich als störend empfand, ist, dass die Handlung in der nahen Zukunft spielt. Die Ermittlungen ereignen sich im Monat Juni 2017! Das ist wohl ungewöhnlich. Wenn man jedoch von diesen beiden inhaltlichen Bedenken absieht, handelt es sich hier wieder um einen überaus spannenden und ungewöhnlichen Krimi, den man beinahe in einem Zug durchliest.
Peter Lauda

 

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