Bücherschau

Indridason, Arnaldur - Tage der Schuld

Ein Island-Krimi

Der neueste Roman der Kommissar-Erlendur-Reihe führt den Leser in die Anfänge seiner Dienstzeit. Kommissar Elendur ist 33 Jahre alt und recht ehrgeizig. So ermittelt er an einem alten Fall. Vor Jahrzehnten verschwand ein junges Mädchen auf dem Weg zum Gymnasium. Der Schulweg führte sie immer am berüchtigten Fort Knox vorbei. Von dem Mädchen fehlt bis heute jede Spur. Die damaligen Ermittlungen verliefen im Sande. Begegnete sie ihrem Mörder? Oder verschwand sie auf der Suche nach einem besseren Leben und lebt heute noch irgendwo im Ausland?
Kommissar Elendurs Ehrgeiz ist es, diesen trostlosen Fall aufzuklären. Doch die Kriminalpolizei beschäftigt ein anderer Fall viel mehr. Als eine junge Frau in einem der Gewässer in der Nähe von Reykjavik baden will, entdeckt sie die Leiche eines Mannes im milchig-blauen Wasser. Kommissar Marian Briem und Erlendur nehmen die Ermittlungen auf. Die Spur führt bald zur benachbarten US-Militärbasis, die sich vom übrigen Island abgeschottet präsentiert. Sie verweigert die Zusammenarbeit mit der isländischen Kriminalpolizei, obwohl sich herausstellte, dass der Tote als Flugzeugmechaniker auf der US-Basis als Leiharbeiter gearbeitet hat. Kam er dort zu Tode? Der Fundort der Leiche ist nämlich nicht der Tatort.
Arnaldur Indridason gelingt es immer wieder komplizierte Fälle mitreißend zu erzählen. Der Spannungsbogen reißt von der ersten bis zur letzten Seite nicht ab. Schritt für Schritt gelangen die beiden Kommissare zur Aufklärung des Falles. Auch Erlendur schafft es, das Rätsel um das Verschwinden des Mädchens zu lösen. Indridason ist einer der überzeugendsten Autoren aus dem hohen Norden, der nicht nur die Personen präzise charakterisiert, sondern auch die Stimmung des Landes immer bestens einfängt. Unbedingt lesenswert!
Peter Lauda

Indridason, Arnaldur - Tage der Schuld
Island Krimi. Köln: Lübbe 2016. 446 S. - fest geb. : € 22,70 (DR)
ISBN 978-3-7857-2574-0
Aus dem Isl. von Coletta Bürling

 

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