Bücherschau

Ferrante, Elena - Meine geniale Freundin

Kindheit und frühe Jugend

Elena Ferrante ist die große Unbekannte der Gegenwartsliteratur Italiens. „Meine geniale Freundin“ ist der erste Band der vierbändigen neapolitanischen Familiensaga. Er erzählt die harten Kindheitstage und die pubertären Jugendjahre zweier Mädchen, die vollkommen aufeinander eingespielt sind, jedoch gegensätzliche Entwicklungen nehmen.
Im volkstümlichen Viertel wachsen sie auf, wo sich Familien seit Generationen befehden, aber dennoch miteinander auskommen müssen. Hier gehen sie gemeinsam in die Grundschule, Raffaella Cerullo, die Tochter des Schuhmachers, die von allen Lila gerufen wird, und ihre Freundin. Elena Greco, die arme Tochter eine Pförtnerfamilie. Während Lila eine brillante Schülerin ist, muss sich Elena alles hart erarbeiten. Doch Lila Vater zwingt sie, in der Schusterei mitzuarbeiten und so ist ihr höchstes Ziel, einen reichen Mann zu finden und zu heiraten. Elena Greco jedoch setzt sich durch, nach der Oberschule ins Gymnasium zu wechseln, wo sie bald zu den besten Schülerinnen ihres Jahrgangs zählt.
Elena Ferrante erzählt die Erlebnisse der beiden Mädchen mit einer brillanten Leichtigkeit, mit Witz und Charme, so dass man mit Vergnügen den Schulabenteuern und den ersten Erfahrungen in Liebe und Partnerschaft folgt. Dazu kommen die Darstellung der Fünfziger- und Sechzigerjahre sowie die Aufarbeitung der historischen Vergangenheit. Besonders schön erscheint mir die Szene, wo und wie Elena das Meer erlebt, welches sie von ihrem Heimathaus nicht sehen kann.
Man darf gespannt sein auf den zweiten Band, „Die Geschichte eines neuen Namens“. Dieser Roman ist auch schon erschienen, wobei Band 3 im Herbst 2017 und Band 4 erst im Frühjahr 2018 erscheinen soll. Es ist kein Wunder, dass dieses Buch einen Spitzenplatz auf den Bestsellerlisten einnimmt!
Peter Lauda

Ferrante, Elena - Meine geniale Freundin
Kindheit und frühe Jugend. Roman. Berlin: Suhrkamp 2016. 423 S. - fest geb. : € 22,70 (DR)
ISBN 978-3-518-42553-4
Aus dem Ital. von Karin Krieger

 

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