Bücherschau

Glaser, Brigitte - Bühlerhöhe

Politthriller über ein interessantes Kapitel der Nachkriegsgeschichte

1952. Haifa. Freiburg. Nordschwarzwald. Rosa Silbermann wird vom Israelischen Geheimdienst als Agentin ins Nobelhotel „Bühlerhöhe“ geschickt, um ein geplantes Attentat auf Kanzler Konrad Adenauer zu verhindern. Rosa, die in den 1930er Jahren nach Israel emigrierte, nimmt den Auftrag nur ungern an, denn die Rückkehr nach Deutschland ist nicht nur eine politische, sondern auch eine zutiefst persönliche Angelegenheit.
Auch Sophie Reisenauer, die Hausdame des Nobelhotels, ist unzufrieden mit den Umständen ihres Lebens. Der Krieg hat Lebensläufe nicht nur vorzeitig enden lassen, sondern unfreiwillig verändert oder in eine ganz andere Richtung geführt. Die Überlebenden müssen sich damit mehr oder weniger arrangieren. Ausgehend von den persönlichen Lebensgeschichten der beiden Frauen verwebt Glaser die Geschichte in einen größeren gesellschaftlichen und politischen Zusammenhang, was diesen Roman so herausragend macht.
Die „Bühlerhöhe“ wurde ursprünglich als Offiziersgenesungsheim auf dem Kohlbergfelsen im Nordschwarzwald errichtet, aber nie als solches genutzt, sondern von 1920 bis 2010 als Hotel der Luxusklasse geführt. Das Attentat auf Adenauer hat in dieser Weise nie stattgefunden. Doch Brigitte Glasers hat einen ungewöhnlichen Schauplatz für ihren überaus gelungenen Politthriller gewählt, der gut recherchiert mit spannenden Details ein interessantes Kapitel der Nachkriegsgeschichte beleuchtet.
Julie August

Glaser, Brigitte - Bühlerhöhe
Roman. Berlin: List 2017. 448 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-471-35126-0

 

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