Bücherschau

Follath, Erich - Jenseits aller Grenzen

Auf den Spuren des großen Abenteurers Ibn Battuta durch die Welt des Islam

1325 begibt sich Ibn Battuta mit 21 Jahren allein auf Pilgerfahrt nach Mekka und Medina, kehrt aber nicht mehr nach Hause zurück. Er ist süchtig geworden nach Reisen, nach fremden Ländern und will Menschen und deren Sitten und Gebräuche kennenlernen. Fast 30 Jahre lang bereist er die damals bekannte Welt. Er kommt über die Türkei nach Persien, Indien, zu den Malediven, nach Indonesien und erreicht schließlich China. Es sind Reisen voll Gefahren, zu Fuß, zu Pferd, auf Kamelen, Karren und Booten, durch Wüsten, über schneebedeckte Berge, über stürmische Meere. Er übersteht Krankheiten, Piratenüberfälle, Wegelagerer und beobachtet die Menschen, ihre Kulturen und Sitten. Er hat ein Netzwerk an Kontakten aufgebaut, das ihn sogar zu den mächtigsten Männern seiner Zeit führt. Er heiratet mehrere Frauen in verschiedenen Ländern und hat um die 15 Kinder. Nach fast 30 Jahren Reisen wird er vom Sultan von Fez aufgefordert, seine Erlebnisse aufzuschreiben, wobei ihm ein junger andalusischer Schriftsteller zur Seite steht.
Fast 700 Jahre nach Ibn Battuta begibt sich Follath – langjähriger Korrespondent des „Spiegel“ – auf dessen Spuren. Er reist von Marokko bis nach China und vergleicht dessen Eindrücke mit seinen. Battuta benötigte jedoch damals kein Visum auf seiner Reise, blieb er doch außer in China immer auf islamischem Boden. Der Autor hingegen benötigte zwölf Visa für die muslimisch geprägten Staaten, die sich heute bunt und vielschichtig präsentieren. Er beginnt seine Spurensuche in Tanger, wo er das vermutliche Grabmal Ibn Battutas besucht. Er zitiert viele Stellen aus Battutas Bericht, interpretiert und kommentiert sie, fügt seine eigenen Erlebnisse und Beobachtungen daran und vergleicht sie mit jenen Battutas. Es ist ein harter Wechsel vom mittelalterlichen Orient des Ibn Battuta mit dem Hauch von 1001 Nacht zu den heutigen krisengeschüttelten oder von Kriegen verwüsteten Ländern der islamischen Welt. Es ist ein brutaler, aber reizvoller Vergleich.
Eine großartige Lektüre und ein faszinierendes Unternehmen, die beschwerlichen Reisen des Ibn Battuta durch die islamische Welt des 14.Jh mit den heute auf andere Weise gefährlichen Reisen in die Länder des Islam zu vergleichen und nachzuerleben.
Traude Banndorff-Tanner

Follath, Erich - Jenseits aller Grenzen
Auf den Spuren des großen Abenteurers Ibn Battuta durch die Welt des Islam. Ein SPIEGEL-Buch
München: DVA 2016. 523 S. - fest geb. : € 25,70 (GE)
ISBN 978-3-421-04690-1

 

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