Bücherschau

Schlembach, Mario - Dichtersgattin

Ein Romandebüt - irgendwie absurd, irgendwie zutiefst österreichisch

In Mario Schlembachs Debütroman "Dichtersgattin" erzählt die 90-jährige Wienerin Hedwig über ihr Leben an der Seite ihres Mannes Hubert, den sie einst aus der Provinz "gerettet" hat, in der Hoffnung, dass aus ihm ein großer Dichter werden würde. Doch Hedwigs Schilderung wird zu einer Suada über das Scheitern, das Versagen, den Kulturbetrieb und über den Tod. Denn aus Hubert wurde kein großer Poet, sondern ein kleiner Bestattungsbeamter, der dort auch sein Lebensthema – den Tod – gefunden hat.
Dem Begräbnis bzw. vielmehr der Bestattung lässt er seine ganze Aufmerksamkeit zukommen und seiner Gattin Hedwig begegnet er mit Schweigen. Aber damit ist nun Schluss, denn bei der Biennale in Venedig stirbt Hubert im Österreich-Pavillon und rund um diese Tatsache hat der niederösterreichische Autor Mario Schlembach seinen Roman gestrickt, der die Protagonistin Hedwig einerseits eine weitschweifige Meckerei gegen Kulturbetrieb, Oberflächlichkeit und Kitsch und andererseits eine glühende Würdigung des Burgtheaters halten lässt. Dabei entwickelt Schlembach durchaus Humor und Authentizität. Er erinnert nicht ungewollt an Thomas Bernhard, der auch im Buch eine Rolle spielt, selbst Ingeborg Bachmann "Todesarten-Projekt" wird im Roman angesprochen.
Am Ende weiß man nicht, ob es nun ein tragisches oder ein komisches Buch war. Absurd vielleicht noch dazu und der Tod, der das ganze Buch dominiert, blickt aus den Zeilen. Der letzte Weg über den Friedhof, den Hubert so liebte, wird nun zu seiner letzten Stätte, ohne Hedwig, schweigend und allein. Was traurig klingt, wirkt aber nicht so. Irgendwie absurd, irgendwie zutiefst österreichisch.
Rudolf Kraus

Schlembach, Mario - Dichtersgattin
Roman. Salzburg: Otto Müller, 2017. 227 S. - fest geb. : € 20,00 (DR)
ISBN 978-3-7013-1249-8

 

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