Bücherschau

Eschbach, Andreas - Teufelsgold

Thriller um einen unglückseligen Haupthelden

„Am Anfang steht die Gier nach Gold, es folgt die Gier nach Unsterblichkeit, dann die Gier nach noch mehr …“ Nähme man gleich zu Beginn diese einleitenden Worte bei ihrer Wahrheit, dann müsste man dieses Buch gleich aus der Hand geben, um sich ein mehr als seichtes Leseerlebnis zu ersparen. Es sei gleich vorweggenommen, ein derart seichtes Buch ist man von Andreas Eschbach aber schon gar nicht gewohnt! Es geht darin um einen bedeutungslosen Bankangestellten (Hendrik), der vertretungsweise ein Seminar mit möglichen Geldanlegern abzuhalten hat. Völlig unerwartet erhält er danach ein positives Feedback durch einige - vorerst kritische – Seminarteilnehmer. Dies beflügelt ihn, nach Abstimmung mit seiner Ehefrau als selbständiger Seminarcoach in Sachen Investment aufzutreten. Nachdem er in einem uralten Buch, welches er in einer Buchhandlung vorsätzlich entwendet, auf eine Legende über den sagenhaften Stein der Weisen stößt, bietet er, anfangs erfolgreich, seine Seminare unter dem Titel „Alchemie des Reichtums“ an. Das währt solange, bis sich bei ihm eine grenzenlose Gier nach Erfolg und Reichtum einstellt. Diese lebt er in allen Facetten grenzenlos aus. Nachdem er eines Tages von einem geheimnisumwitterten Mann unter äußerst dubiosen Umständen zum Mieter eines alten Schlosses wird, ufert das Leben Hendriks vollends aus. Allerdings gerät er unbewusst und unentrinnbar in die Fänge eines Alchemisten-Clans.
Er verwirft alle Werte, trennt sich mit einem vagen Argument von Frau und Tochter und taucht in eine mystische (Unter)welt ein, die ihn Schritt um Schritt der Wirklichkeit zu entreißen beginnt. Da aber der Verlag vollmundig auf dem Haupttitelblatt von einem Thriller spricht, wird die Leserin/der Leser ob der unsagbar flachen Lektüre nun doch misstrauisch! Liegt man aus irgendeinem Grund bei diesem Buch falsch? Bedarf es einer anderen Lesart? Einer anderen Zuwendung? Liegt die Spannung im Verborgenen und man muss sie ganz einfach halt - unter größter Kraftanstrengung vermutlich - herauslesen? Wenn man das Buch denn doch bis zum Ende gelesen hat, dann darf man enttäuscht und frustriert  rekapitulieren: Bis zur Mitte des Buches, dies über mehr als  hundert Seiten, herrscht eine unzumutbare Flaute. Geht man dann doch nicht so kritisch mit dem Buch um, verspürt man wohl das Aufkommen leichter Spannung, gerät aber – sozusagen als Lohn für das Durchhaltevermögen – schnur-stracks und unvermittelt in den Sog völlig skurriler, un-realistischer und vollkommen überdrehter und bei den Haaren hergeholter fader Phantastereien wie im Billigbuch-Sektor.
Fazit: Kein Thriller, kein Familienroman, obwohl das Thema Familie in dem Buch ziemlich präsent ist, kein Fantasy Roman, obwohl auch diese Thematik eine große Rolle spielt, und ja, auch auf ein halbherzig geschildertes Märchen stößt man bisweilen, welches ebenfalls ein Baustein dieses sogenannten Thrillers sein soll, auch. Na, ja – und ganz zum herbeigesehnten Ende findet Hendrik, der unglückselige Hauptheld, ganz im Stile eines Dreigroschen-Romanhefterls, zumindest telefonisch zu Frau und Tochter wieder zurück, ehe er, wegen einer begangenen Gewalttat, hinter Gittern abtaucht.
Adalbert Melichar

Eschbach, Andreas - Teufelsgold
Thriller. Köln: Lübbe 2016. 510 S. - fest geb.: € 23,60 (DR)
ISBN 978-3-7857-2568-9

 

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