Bücherschau

Florescu, Catalin Dorian - Der Mann, der das Glück bringt

Eine schicksalshafte Begegnung zweier Menschen in New York

Der Roman beginnt mit einer schicksalshaften Begegnung zweier Menschen in New York. Sie ist eine leidgeprüfte Fischerstochter aus dem Donaudelta, er ein erfolgloser und tief verarmter Künstler, der immer noch an eine Karriere glaubt. Elena hat sich auf den Weg gemacht, um die Asche ihrer Mutter nach Amerika zu bringen. Er will den Lebensweg seines Großvaters ergründen. Beide schaffen sich in der Folge eine derart vertraute Beziehung, die sie schließlich in die Lage versetzt, einander ihre leidgeprüften Lebenswege und Familiengeschichten zu erzählen. Nun kommt die meisterhafte Erzählkunst des Autors ins Spiel. Beinahe atemberaubend schildert er in einer Zeitspanne ab dem Jahr 1899 bis hinein in die Gegenwart das leidgeprüfte Leben von Menschen dreier Generationen in der tiefschichtigen und gesellschaftlich sowie sozial total gespaltenen Welt New Yorks und der tief verarmten dörflichen Welt im Schilfdschungel des Donaudeltas.
Das Romangeschehen setzt Ende des 19. Jahrhunderts ein. New York ist voll von Migranten! Wir treffen auf total entwurzelte und verarmte Flüchtlinge aus Italien, aus dem von Hungersnöten geplagten Irland, auf Juden aus Galizien, auf Deutsche, die jenseits des Ozeans ihre Träume zu verwirklichen versuchen.  Erzählt wird aus der Perspektive eines halbwüchsigen Waisen, der sich als Zeitungsjunge und mit Gelegenheitsjobs durchschlägt: bitterarm und meist hungrig. Die im zweiten Kapitel einsetzende gegenläufige Erzählung findet sich in der Wildheit des rumänischen Donaudeltas, einer rauen Gegend, in der kaum Menschen leben. Hier gebiert im Sommer 1919 Leni ihre Tochter Elena. Vater Vanea, ein starker, naturverbundener Bursche, erkrankt an Lepra und zieht sich schließlich auf Nimmerwiedersehen in die Sumpf- und Schilfeinsamkeit zurück. Auch Leni wird von der Krankheit befallen und in einer elenden Lepra-Kolonie isoliert. Dort bringt sie ein Kind auf die Welt, das ihr abgenommen wird und in Heimen und bei Pflegefamilien aufwächst.
Meine Meinung: Florescu ist ein Meister der Sprache an sich! Er erzählt genial, brilliant, kraftvoll und voll Tiefgang. Dieses Buch muss man ganz einfach gelesen haben!
Adalbert Melichar

Florescu, Catalin Dorian - Der Mann, der das Glück bringt
Roman. München: Beck 2016. 327 S. - fest geb.: € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-406-69112-6

 

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