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Bücherschau

Kraus, Rudolf - warten auf beckett

Kongeniale Gedichte und Sprachminiaturen

Beckett ist nicht von ungefähr im Titel der neuen Sprachminiaturen von Rudolf Kraus namentlich genannt. In seinem neuen Buch sammelt der Dichter und Sprachspieler „Widmungen“, „Dedikationen“, „Zugedichtetes“ und „Freundschaftsgedichte“ „für die Geister“ (so ungefähr auch die Titel der Kapitel).
Da findet sich ein wunderbares Gedicht nach ihrer Art für Wislawa Szymborska: „hab drei worte / in den mund genommen // hab daran / geleckt / geschmeckt / sie über den gaumen / rollen lassen // und letzten endes / verschluckt // noch immer / liegen sie mir / schwer im magen“, Weiters etliche Würdigungen in Form von Blitzlichtgedichten auf Giordano Bruno, Goethe, Karl Kraus, Stramm, Artmann und eine Dedikation voller Quasi-Witz für Helmut Qualtinger: „waun i / kwasi / nimma / dazua / imstaund bin / kwasi / des wuat / sozusogn / so zu sogn / wia ma‘s / kwasi / sogt / daun / sog i / kwasi / nua mea / kwasi“.
Eines der schönsten Gedichte in diesem Band könnte der Dichter Rudolf Kraus wohl sich selbst gewidmet haben: „der schlaf hat innere augen / und mit welchem auge du dann siehst / entscheidest nicht du / etwas kommt unerwartet / unermesslich einzigartig / gespenstisch / wie ein nie erlebter / nie dagewesener / kuss“. Solche unermesslich einzigartigen Momente in der Begegnung  mit den Menschen und Werken, die ihm nahe sind, fängt Rudolf Kraus kongenial in seinen Gedichten und Sprachminiaturen seines neuen Buches ein.
Georg Pichler

Kraus, Rudolf - warten auf beckett
sprachminiaturen. Wien: Verlagshaus Hernals 2016. 66 S. - fest geb. : € 22,90 (DR)
ISBN 978-3-902975-37-9

 

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