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Bücherschau

Malet, Jean-Baptiste - Das Tomatenimperium

Ein Lieblingsprodukt erklärt den globalen Kapitalimus

Was essen wir da eigentlich, wenn wir eine Tube Tomatenmark ins Gulasch oder ins Sugo mischen, die Pommes frites in Ketchup tunken oder unsere Pizza mit Tomatensoße bestreichen? So eine Industrietomate hat oft schon den halben Globus besucht, wurde etwa am anderen Ende der Welt in einer Fabrikshalle verarbeitet und in Fässern abgepackt, bevor sie nach langer Reise auf unserem Teller gelandet ist. Und obwohl wir alle sie konsumieren, kann niemand mehr sagen: Wer hat die Tomate wann an welchem Ort angebaut und geerntet?
Der französische Journalist Jean-Baptiste Malet reiste zwei Jahre lang der Industrietomate nach, von den Grenzen Chinas über Peking, Kalifornien, Italien bis nach Ghana. Er hat mit Bauern, Erntehelfern, Händlern, Maschinenherstellern, Genwissenschaftlern – und auch einem chinesischen „General“ – gesprochen und kam Schritt für Schritt den mafiösen Aktivitäten der Lebensmittelindustrie auf die Spur. So war er in den Slums, in denen die Branche unter den Migranten ihre Arbeitskräfte rekrutiert, und auch in den Konservenfabriken, in denen suspekte Zusatzstoffe in andernfalls ungenießbare Konzentrate gepanscht werden. Malet verfolgt dabei die Geschäfte dieser so undurchsichtigen wie lukrativen Industrie, die noch an den finstersten Orten Begehrlichkeiten entfacht.
Herausgekommen ist eine faszinierende Reportage über die komplexen Zusammenhänge und erschütternden Verwerfungen des globalisierten Kapitalismus. Eine großartige Recherche, die die verkannte Geschichte einer globalen Ware nachzeichnet. Dabei tatsächlich durchaus besser, spannender und brisanter als viele Romane.
Bernhard Preiser

Malet, Jean-Baptiste - Das Tomatenimperium
Ein Lieblingsprodukt erklärt den globalen Kapitalimus. Köln: Eichborn 2018. 285 S. - br. : € 18,50 (GW)
ISBN 978-3-8479-0642-1

 

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