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Bücherschau

Preyer, J. J. - Wiener Blaupausen

Kriminalroman aus Wien

Es ist derzeit Mode unter den Krimischreibern, einen bestimmten Standort besonders hervorzuheben und den Krimi mit Lokalkolorit zu versehen. J. J. Preyer hat seine Absicht schon im Titel „Wiener Blaupausen“ kundgetan und dabei nicht nur die Stadt Wien, sondern auch die politische Lage der Zeit um das Jahr 1967 in seine Geschichte eingebaut. Er spielt dabei, wie er im Nachwort „Der Flügelschlag des Schmetterlings“ schreibt, mit der Frage „Was wäre, wenn ...“, wobei er in seinem Krimi die Tatsachen geschickt mit Fiktionen und erfundenen Personen vermischt.
Hans Gottschlich ist mit nur einem Auge aus dem Krieg und der Gefangenschaft zurückgekommen. Er ist der Typ „Einsamer Wolf“, da seine Freundin damals schon einen Anderen geheiratet hatte. Seine körperlichen Schmerzen bekämpft er mit Morphium, aber seine innere Unruhe bekommt er – 22 Jahre nach Kriegsende – nicht in den Griff. Da seine journalistische Laufbahn durch die Einstellung seiner Zeitung jäh endete, ist er Privatdetektiv geworden.
Ein neuer, finanziell interessanter Fall lockt ihn auf den Semmering, aber er findet seinen Auftraggeber nur mehr tot vor. Der (vorgetäuschte) Selbstmord macht den Detektiv neugierig, besonders, da es bald darauf einen zweiten unglaubwürdigen Selbstmord gibt. Er recherchiert weiter und setzt so eine tödliche Spirale in Gang. Es wird gemordet, bespitzelt, verfolgt, eingebrochen und es gibt sogar eine diffamierende Todesmeldung über ihn in einer Zeitung. Interessant für die jüngeren Leser: es gibt kein Handy, Internet, Facebook und Schriftstücke werden mit „Blaupausen“ geschrieben.
Aber es gab auch damals schon „Fake News“. Die „Konservativen“ und die „Nationalen“ versuchen sich gegenseitig mit allen Mitteln unter Druck zu setzen. Hintergrund ist die politisch brisante Lage, in deren Mittelpunkt der Politiker Franz Olah steht. Ein Umbruch steht auf des Messers Schneide. Er könnte den Lauf der Geschichte ändern. Mit der politischen Szene ist aber auch das private Leben des Detektivs verflochten und er gerät zunehmend zwischen die Fronten der Macht und den darin verwickelten Personen. Und er merkt, dass sich sein Leben durch die Ereignisse ebenfalls ändert. Es bleibt bis zum Ende spannend, wie die Geschichte auf der politischen Ebene sowohl als auch im persönlichen Bereich für den Menschen Hans Gottschlich, genannt Wurschtl, ausgeht.
Renate Oppolzer

Preyer, J. J. - Wiener Blaupausen
Kriminalroman. Meßkirch: Gmeiner 2018. 280 S. - kt. : € 12,40 (DR)
ISBN 978-3-8392-2270-6

 

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