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Bücherschau

Jellinek, Adele - Das Tor

Roman über das Elend der Arbeiterfamilien

Die Literatur der vom NS-Regime exilierten, verfolgten und ermordeten Autorinnen und Autoren wurde von den deutschsprachigen Verlagen lange Zeit recht stiefmütterlich behandelt. Heute ist sie wenigstens in akademischen Kreisen voll etabliert, auch wenn die Auflagenhöhe nicht sehr begeisternd sein mag und die Gestaltung spartanisch. Band 4 der Reihe „Vergessene Schiftstellerinnen“ ist ein typisches Beispiel für diese Problematik.
„Das Tor“ ist 1929 als Fortsetzungsroman in der sozialdemokratischen „Arbeiter-Zeitung“ erschienen. Er schildert drastisch das Elend der Arbeiterfamilien, die Verbitterung und Feindseligkeit ihrer überforderten Frauen, die depressive Trägheit der arbeitslosen Männer und die Verwahrlosung ihrer Kinder. Adele Jellinek, Jahrgang 1890 und 1943 in Theresienstadt zu Tode gekommen, kannte das von ihr beschriebene Milieu gut. Die zum Teil etwas dialektal „ottakringerisch“ gefärbten Dialoge sind aber eingebettet in einen „hohen“, humanistisch geprägten Erzählduktus. Im Zentrum des Geschehens steht die 15-jährige Hanna, die vielleicht einen Ausweg, ein „Tor“ aus diesem Elend finden wird.
Der erstmals als Buch edierte Text beeindruckt durch sein mitleidendes Ethos, die zugehörigen Kommentare der Herausgeberinnen und die beigefügten Briefkopien erläutern das Schicksal der Autorin, die selbst, an den Rollstuhl gefesselt, in Ottakring aufwuchs und lebte, bis sie in die Mordmaschinerie der Nazis geriet.
Robert Schediwy

Jellinek, Adele - Das Tor
Roman. LIT 2018. 298 S. - kt. : € 35,90 (DR)
ISBN 978-3-643-50786-0

 

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