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Bücherschau

Hajaj, Claire - Der Duft von bitteren Orangen

Roman um die Jahre der Staatsgründung Israels

„Zu Hause ist man nicht dort, wo man am längsten gelebt hat; es ist ein Gefühl, dass man an einen Ort gehört und dass dieser Ort Heimat ist.“ Diese Worte richtet Salims Mutter an ihn, als er mit fünfzehn erfährt, dass sein Vater ihr geliebtes Haus in Jaffa und den Orangenhain verkaufen möchte.
Salim und seine Familie hatten 1948 (wie so viele andere auch) vor den Kämpfen in Jaffa nach Nazareth fliehen müssen, um ihr Leben zu retten. Salim hatte den Orangenhain geliebt und trug immer ein Foto davon bei sich, das er wie einen Schatz hütete. Vor ihrer Flucht hätte er das erste Mal beim Einbringen der Ernte dabei sein dürfen – ein Geschenk seines strengen Vaters zu seinem bevorstehenden Geburtstag. Doch dann waren die Juden gekommen und hatten das Land für sich beansprucht, sich erbitterte Kämpfe geliefert und Familien wie die von Salim Al-Ismaeli von ihrem Grund und Boden vertrieben.
Das Orangenhaus und die Plantagen sind enteignet, verkauft, die Familie zerbricht, als die Mutter mit dem jüngsten Bruder verschwindet. Kurz nach seinem siebzehnten Geburtstag besteigt Salim ein Flugzeug der El Al in Tel Aviv und macht sich auf den Weg nach England, wo auch schon sein älterer Bruder Hassan seit geraumer Zeit lebt. Er soll dort sein Englisch verbessern und einen anständigen Beruf erlernen. Im Gepäck hat er seinen israelischen Pass, seine Identitätskarte, seine palästinensische Geburtsurkunde und das Foto seines geliebten Orangenhains.
Judith lebt mit ihrer Familie nach dem Holocaust in England. Der Spagat zwischen ihrer immer noch tiefgläubigen und traditionellen jüdischen Familie und der Lebensart und Einstellung ihrer Freundinnen in der Schule fällt ihr immer schwerer. Sie liebt und verehrt ihre Großmutter Rebecca und besucht brav den Hebräisch-Unterricht, um sich auf ihre Bat-Mizwa vorzubereiten, aber andererseits belastet sie ihre Zugehörigkeit zum Judentum immer mehr, denn ihresgleichen ist vielerorts immer noch unerwünscht. Das erlebt sie schmerzlich am eigenen Leib, als sie von ihren vermeintlich besten Freundinnen von einer Party ausgeschlossen wird. Das Schicksal führt Salim und Judith in England zusammen – den Palästinenser und die Jüdin.
Claire Hajaj ist als Kind einer jüdischen Mutter und eines palästinensischen Vaters zwischen zwei Kulturen aufgewachsen, die in den Jahren der Staatsgründung Israels durchaus als unvereinbar galten. Das immer noch heikle Thema der Judenverfolgung ist ebenso Thema der Geschichte Salims wie auch die Sehnsucht der Menschheit nach einem Zuhause.
Sabine Diamant

Hajaj, Claire - Der Duft von bitteren Orangen
Roman. München: Blanvalet 2017. 443 S. - kt. : 10,30 (DR)
ISBN 978-3-7341-0046-8

 

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