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Bücherschau

Schlembach, Mario - Nebel

Ein Plädoyer für die Wertschätzung des Lebens

Ein junger Mann wird verständigt, dass sein Vater verstorben ist, so begibt er sich in sein Heimatdorf, um seinen Vater zu beerdigen. Er, der namenlose junge Mann und Erzähler, hat sein Heimatdorf vor Jahren verlassen und war nie zurückgekehrt. Jetzt versucht er sich im Elternhaus, das schon bessere Zeiten gesehen hatte, einzurichten.
Der Vater war Totengräber und der Sohn übernimmt nicht nur das Amt des Vaters, er gräbt auch das Grab für ihn. Die Präsenz des Todes ist vielfach in dem Buch spürbar, beschreibt Mario Schlembach die Routine eines Bestattungshelfers und die unaufhörliche Beschwerlichkeit der Arbeit eines Totengräbers doch aus selbst erlebter Erfahrung mit bemerkenswerter Intensität. Die permanente Konfrontation mit dem Tod drängt das Leben zurück, ein Problem, dass der junge Mann nicht wahrnimmt bzw. nicht wahrnehmen kann. Er ist ein Meister des Verdrängens einerseits und des Vergessens andererseits. Im Dorf werden seine Erinnerungen wieder wach, warum er damals das Dorf verlassen hatte: Der Tod des besten Freundes, die Liebe zu dessen Schwester und die fehlende Mutter …
Schlembach bewegt sich in „Nebel“ beständig in einer Sprache, die sich am Tod orientiert, aber nichtsdestoweniger keinen klaren Zugang zum Tod bieten kann, weil darüber und davor ein Nebelschleier hängt. Der Mensch weiß nicht, was nach dem Tod kommt, das ist Grundlage von Religionen, Mythen und Wissenschaft. Mario Schlembach schreibt über die Toten, die Bestattung, den Friedhof, die Trauer der Hinterbliebenen, aber das Leben bleibt offenbar ausgeklammert. Doch die Liebesgeschichte des jungen Mannes mit der Schwester des besten Freundes, die hier im Finale wieder aufflammt, hat eine schwere, unfassbare tragische Note. Ein Plädoyer für die Wertschätzung des Lebens, über Realität und den Umgang mit dem Tod.
Rudolf Kraus

Schlembach, Mario - Nebel
Roman. Salzburg: Otto Müller 2018. 194 S. - fest geb. : 20,00 (DR)
ISBN 978-3-7013-1257-3

 

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